Frühe Schulpflicht : Rot-Schwarz traut nun doch der Senatorin

Bleiben früh eingeschulte Kinder öfter in der Schulanfangsphase sitzen als die älteren Mitschüler? Das und noch einiges mehr will die Bildungsverwaltung jetzt herausfinden. Den Grünen reicht das nicht, und bis gestern waren auch die Koalitionsfraktionen skeptisch.

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Soll das Kind reif für die Schule sein oder die Schule reif für das Kind? Über diese Frage wird weiter gestritten.
Soll das Kind reif für die Schule sein oder die Schule reif für das Kind? Über diese Frage wird weiter gestritten.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Da hatten sich die Koalitionäre doch etwas zu weit vorgewagt: Am Donnerstag im Schulausschuss gaben sie sich ganz zahm, als es um das Thema Früheinschulung ging. Eigentlich wollten CDU und SPD einen eigenen Antrag beschließen, der eine fundiertere Auswertung der fast zehnjährigen Erfahrungen verlangte. Damit hätten sie sich auf offener Bühne gegen die Pläne der eigenen Senatorin Sandra Scheeres (SPD) gestellt. Davon aber blieb am Ende nicht viel.

Aus „formalen Gründen“, so die Christdemokratin Hildegard Bentele, könne die Koalition keinen Antrag stellen. Es sei aber „ein Erfolg der Grünen, dass das Thema auf der Tagesordnung bleibt“. Die Hauptsache sei jetzt, dass es überhaupt eine Evaluation der Ergebnisse gebe.

Auf Nachfrage von Martin Delius (Piraten) erläuterte Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD), wie es jetzt weitergeht: Die Bildungsverwaltung überprüft, ob die mit fünf eingeschulten Kinder öfter in der zweiten Klasse verweilen müssen als die älteren Mitschüler. Zudem werden, wie berichtet, die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten in Klasse 3 und 8 in Beziehung zum Alter der Schüler gesetzt. Bis Ende 2013 wolle man mehr wissen.

Der grüne Bildungsexperte Özcan Mutlu hält eine Auswertung nach den „schlechten Erfahrungen“ nicht mehr für nötig. Er bekräftigte seinen Antrag, die Kinder ein Vierteljahr später einzuschulen und darin mit Brandenburg gleichzuziehen. Allerdings folgte ihm auch die übrige Opposition nicht. Martin Delius votierte für mehr Flexibilität „in jede Richtung“, damit sowohl jüngere als auch Ältere – je nach Entwicklungsstand – eingeschult werden können. Regina Kittler (Linkspartei) möchte erstmal die Auswertung abwarten, mit der das Institut für Schulqualität Berlin-Brandenburg (ISQ) beauftragt ist.

Verwunderung erntete der bildungspolitische SPD-Sprecher Ilkin Özisik. Er hatte sich noch am Mittwoch für eine fundiertere Auswertung der Früheinschulung ausgesprochen. Am Donnerstag war davon nichts geblieben – und Özisik auf eine gemeinsame Linie mit Scheeres eingeschwenkt.

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