Berlin : Früher Ulbricht, jetzt Australien

Botschaft zieht hinter historische Mauern an der Wallstraße in Mitte

Holger Wild / Fatina Keilani

Der Hausherr und die Minister ließen auf sich warten: Australiens Botschafter Paul O’Sullivan kam mit den beiden Außenministern Alexander Downer und Joschka Fischer 45 Minuten später als angekündigt zur Eröffnung der Botschaft seines Landes. Bis dahin hatte das Western Australian Youth Orchestra schon Stücke von Brahms und Mozart und ein schmissiges Medley bekannter australischer Melodien gespielt. Als der Duft von gebratenem Speck durch die Botschaft zog, trafen alle drei gemeinsam ein, aus dem Auswärtigen Amt kommend, das ja gleich um die Ecke liegt. „Dieses Gebäude ist älter als der Staat Australien, und es hat die Umstürze des vergangenen Jahrhunderts gut überstanden“, sagte Downer in seiner Ansprache. Fischer ging ebenfalls auf die Geschichte des Hauses in der Wallstraße 76-79 ein, in dem 1945 und 1946 die Kommunistische Partei unter Walter Ulbricht ihre Zentrale hatte, bevor sie als SED an den Werderschen Markt zog – wo heute das Auswärtige Amt sitzt, mit Joschka Fischer in Honeckers altem Büro.

Wie sein Amtskollege Downer, betonte auch Fischer die Freundschaft und gute Zusammenarbeit mit dem Staat am anderen Ende des Globus und gedachte der gemeinsamen Opfer der Terroranschläge von Bali und Djerba. Fischer und auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit würdigten das Glasdach über dem Innenhof des liebevoll restaurierten Hauses. Fischer wünschte den Australiern, dass das Dach ihnen im grauen Berliner Winter einen Rest von Outdoor-Feeling vermittelt: „Wir wollen, dass Sie sich wohlfühlen. Sie sind hier bei Freunden.“

Neben dem Hof, der im charakteristischen Rot der australischen Landschaft gehalten ist, zog am Dienstagabend vor allem die Straßenfront die Bewunderung der Gäste von Downer und O’Sullivan auf sich: Eine Fassade aus in warmen Rottönen changierenden Majolika-Kacheln, geschmückt von figurativen Reliefs, entstanden schon zur Bauzeit des Hauses, denkmalgeschützt und nun sorgfältig saniert. Fritz Crzellitzer hatte das Gebäude 1912 für das Bekleidungsgewerbe errichtet, später wurde es vom Reichsverband des Tischlerhandwerks genutzt, der im zweiten Obergeschoss einen holzgetäfelten Sitzungssaal einrichtete, der ebenfalls erhalten ist und restauriert wurde.

Mit der Feier zur Eröffnung der Botschaft im Hof zwischen den beiden Altbauten verabschiedete sich zugleich der Botschafter O’Sullivan. Seine Nachfolgerin soll Pamela Fayle werden.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben