Berlin : Frühere Skinheads wegen Vergewaltigung vor Gericht

Kerstin Gehrke

Eigentlich wolle sie "niemanden in die Pfanne haun", sagte die einzige Frau unter den fünf Angeklagten. "Aber sie erzählten, sie hätten die Frau angekokelt." Mandy W. griff zum Taschentuch. Sie war damals, als die Mitangeklagten Springerstiefel trugen, auch am Tatort. Sie soll keine Hilfe geleistet haben, als ihre Begleiter das Opfer vergewaltigten und quälten. "Ich brach in Tränen aus, bin raus aus dem Zimmer, hörte die Frau schreien", sagte die 22-jährige Mandy W. am Dienstag vor dem Landgericht.

Die Angeklagten kannten sich aus der rechten Szene. Im August 1999 zogen sie wieder einmal durch die Straßen. Nur einer der Skinheads hatte ein Ziel: Der 29-jährige Hans-Dieter O. wollte Schulden von 300 Mark eintreiben. Bei einer 37-jährigen Frau, die als Hilfskraft hin und wieder Geld verdiente und im Obdachlosenheim in der Köpenicker Straße in Adlershof ein kleines Zimmer gefunden hatte. "Ich bin mitgegangen, weil ich nichts zu tun hatte", sagte David K., mit 20 Jahren der jüngste Angeklagte. Er war es, der sich an der Frau verging. Er sei von O. dazu aufgefordert worden, sagte der schmächtige K., der in einem viel zu großen Jackett zum Prozess erschienen war. Der junge Arbeitslose, der bei seinen Eltern lebt, bemühte sich um einen gewählten Ausdruck. "Als ich es ablehnte, mit der Frau den Beischlaf zu vollziehen, schlug mir Herr O. ins Gesicht." Er habe sich "fügen" müssen. O. aber rief gestern dazwischen: "Der soll jetzt nicht den armen Kleenen spielen."

David K. soll die völlig verängstigte Frau geschlagen, mit einem Messer an der Kehle bedroht und schließlich mit einer Spraydose sexuell misshandelt haben. Einer seiner einstigen "Kameraden" folterte das Opfer laut Anklage mit einem Feuerzeug, ein anderer soll Salz in die Brandwunde am Bauch gestreut haben. "Ich fand den Vorfall widerlich, aber was sollte ich machen", sagte K., die Sache sei "ziemlich dumm gewesen".

Doch Hans-Dieter O. blieb dabei, dass er den Jüngeren nicht zu den Übergriffen angestiftet habe. Als er von der Frau kein Geld bekam, "habe ich sie beleidigt und ihr eine geknallt", sagte O. Was er sich bei den Misshandlungen gedacht habe, wollten die Richter wissen. Grinsend sagte O.: "Ich kann nicht sagen, dass ich geschockt war." Er habe sich an jenem Tag nach dem Genuss von Alkohol "aggressiv gefühlt". Selbst ein Verteidiger musste tief durchatmen. "Das Ganze ist ein brauner Sumpf", sagte der Anwalt. Allerdings hätten sich die Angeklagten aus der rechten Szene zurückgezogen. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben