Frühling : Die Pollen sind startklar

Nach einigen milden Tagen beginnt die Birkenblüte - und lässt schwere Zeiten für Allergiker anbrechen. Experten warnen besonders vor der aggressiven Ambrosia.

Stefan Jacobs
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Die Blühsaison hat sich in den vergangenen 25 Jahren um eine Woche verlängert. -Foto: dpa

Ist das Wetter gut oder schlecht? Schon in wenigen Tagen wird diese Frage wieder die Menschheit entzweien: in Allergiker und Unempfindliche. Der Beginn der Birkenblüte gilt Fachleuten als Startsignal, weil die Pollenbelastung in Berlin dann so plötzlich steigt wie sonst im ganzen Jahr nicht. Gestern haben sich die Experten an eine Vorhersage gewagt, damit Allergiker sich wappnen können.

Ernst werden dürfte es frühestens ab dem 5. und spätestens ab 13. April. Der genaue Termin hängt vom Wetter ab – und das soll ab Sonntag mit bis zu 15 Grad recht mild werden. Zum Ende der nächsten Woche hin prophezeien die Meteorologen allerdings wieder durchwachsene Kühle, so dass allenfalls ein paar geschützt stehende Innenhof-Birken richtig loslegen werden. Die Blühsaison hat sich nach Beobachtungen der FU-Meteorologen in den vergangenen 25 Jahren um eine Woche verlängert, weil sie im Schnitt zehn Tage früher beginnt, aber nur drei Tage früher endet.

Entsprechend länger haben Allergiker zu leiden. Der Arzt Michael Silbermann hält die langen Listen in vielen Pollenkalendern für unseriös und nennt sieben Pflanzenarten als wesentliche Übeltäter: Hasel, Erle, Birke, Gräser, Roggen, Beifuß – und neuerdings die extrem aggressive Ambrosia, die die Leidenszeit von Allergikern um einen ganzen Monat verlängern kann (siehe Grafik). Das Unkraut ähnelt dem Beifuß und wird nach Auskunft von FU-Experten oft mit Vogelfutter (speziell Sonnenblumenkerne) aus Südosteuropa eingeschleppt. Je wärmer und trockener die Sommer, desto üppiger blüht sie und verbreitet ihre Samen. Weil die über Jahrzehnte keimfähig bleiben, raten Fachleute, sie möglichst im Juni oder Juli vor der Blüte auszureißen – und zwar mit Handschuhen, dann direkt in den Müll und keinesfalls auf den Kompost.

Das Berliner Pflanzenschutzamt hat nach Auskunft seines Leiters Holger Schmidt im vergangenen Jahr 184 Ambrosia-Standorte gezählt. Es sei die erste gezielte Erfassung gewesen – aber gewiss nicht die letzte, wie Schmidt sagt.

Die Meteorologin Sandra Kannabei berichtet von einer hausgemachten Plage in der Lausitz, wo die Ambrosia vor Jahren offenbar mit verunreinigtem Saatgut ausgebracht wurde und nun auf mehreren Quadratkilometern ungestört wächst. Und Silbermann sagt, dass Ambrosia- Tests bei Ärzten noch längst nicht selbstverständlich seien. Allgemein gelte, dass sich Allergiepatienten „zu 80 Prozent“ beschwerdefrei machen ließen. Behandelt werden könne wie gehabt mit Tabletten, Nasen- und Augentropfen oder Spritzen. Auch gegen die rezeptfreien Mittel aus der Apotheke sei wenig einzuwenden; allein die schnelle Hypo-Sensibilisierung pünktlich zum Saisonbeginn sei eine Marketing-Erfindung. Sie dauere in Wahrheit Jahre. Insgesamt seien fast 30 Prozent der Deutschen auf irgendetwas allergisch. Oder, als absolute Zahl: eine Million Berliner. Stefan Jacobs

Aktuelle Belastung und Infos online:

www.met.fu-berlin.de

www.ambrosiainfo.de

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