Frühling im Winter : Auf der Eisbahn schmilzt nichts

Die Eisbahnen in Berlin bleiben geöffnet und sind voll. Sie verbrauchen nur sehr viel mehr Strom. Zu Besuch in Wedding

Eva Riedmann
Nur bitte nicht wärmer als 18 Grad. Bis dahin bleibt Eisstadionchef Michael Grylewicz gelassen. Fotos: Eva Riedmann
Nur bitte nicht wärmer als 18 Grad. Bis dahin bleibt Eisstadionchef Michael Grylewicz gelassen. Fotos: Eva Riedmann

Die Eismaschine tuckert über die Eisbahn im Erika-Heß-Stadion in Wedding, den frühlingshaften Temperaturen zum Trotz. Hinter sich zieht die Maschine einen schimmernden Wasserfilm. Zehn Minuten später ist die Wasserschicht gefroren und die Eisbahn wieder befahrbar.

Das Zaubermittel: Ammoniak. Unter der Eisbahn liegt Beton, durch den sich insgesamt 18 Kilometer isoliertes Stahlrohr schlängeln. Vier Kältekompressoren, die im Maschinenraum des Eisstadions stehen, leiten das Ammoniak durch die Rohre. „Das Gas entzieht dem Eis die Wärme“, erklärt Michael Grylewicz. Er ist der Betriebsleiter des Eisstadions. Das Eis bleibt so konstant minus drei Grad kalt. „Für die Eisbahn sind die warmen Temperaturen kein Problem.“

20 Besucher zählte Grylewicz am Dienstagvormittag. Das sei normal. Das schöne Wetter würde sogar eher Besucher anlocken. „Bei so einem Wetter ist doch jeder gerne im Freien“, sagt er.

Von Besucherrückgang ist auch im Eisstadion Neukölln nichts zu spüren. Doch für Stadion-Chef Siegfried Vogel sind milde Winter teure Winter. Auch seine Eisbahn wird mithilfe von Ammoniak gekühlt. Zehn Tonnen des giftigen Gases lagern im Stadionkeller. Das Eis bleibt befahrbar, selbst wenn das Thermometer 18 Grad anzeigen würde. Trotzdem: Je wärmer es ist, desto mehr Strom benötigt die Kühlung.

Im Wedding sitzen zwei Eisläufer auf einer Bank neben der Eisbahn in der Sonne und beobachten, wie die Eismaschine ihre Runden fährt. Kurz vorher standen sie selbst noch auf der Bahn. Bei zwölf Grad eislaufen gehen? „Natürlich ist es schöner, wenn man keine dicke Jacke braucht“, sagt einer der Besucher. Doch seine Energiebilanz macht ihm Sorgen. Er weiß, dass für die Kühlung der Eisbahn viel Strom verbraucht wird. „Ich lebe sehr umweltbewusst. Deshalb sollte ich bei diesen Temperaturen besser joggen gehen.“

Neben der Außenbahn gibt es im Weddinger Stadion auch eine Eishalle. Hier hat bis vor kurzem die Eishockeymannschaft der Technischen Universität trainiert. In der Halle ist es immer zehn Grad warm, das Wetter draußen spielt keine Rolle. Einer der Spieler hat ein ganz persönliches Problem mit den Frühlingstemperaturen. „Wann ich ein hartes Training hinter mir habe“, sagt er, „freue ich mich im Winter eigentlich auf eine Abkühlung draußen“. Eva Riedmann

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