Frühlingsfest : Rummel um den Platz

Zu wenig Anmeldungen, zu hohe Mieten, zu weit draußen: Der Schaustellerverband sagt das Frühlingsfest auf dem Zentralen Festplatz in Wedding ab. 1000 Arbeitsplätze sind in Gefahr.

Jan Oberländer
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Mal auf, mal ab. Der Zentrale Festplatz in Wedding war von Anfang an umstritten. Die Schausteller beklagen sich und wären mit den...

Kein Autoscooter, keine Geisterbahn. Der Berliner Schaustellerverband (BSV) hat das seit 40 Jahren stattfindende Frühlingsfest auf dem Zentralen Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm in Wedding abgesagt. Zu wenige Schausteller hätten sich angekündigt, sagte der im März neu gewählte BSV-Vorsitzende Thilo-Harry Wollenschlaeger. Der eigentliche Grund seien aber die schlechten „Rahmenbedingungen“ in Berlin. Auflagen seien zu streng, Platzmieten unverhältnismäßig hoch. „Wir wollen keine Subventionen“, stellt Wollenschlaeger klar, „wir wollen Luft zum Atmen.“ 1000 Arbeitsplätze seien in Gefahr.

Wollenschlaeger hat zudem ein grundsätzliches Problem mit dem Festgelände. Es sei dezentral gelegen und schlecht angebunden. Verbesserungen wie eine Fußgängerbrücke seien versprochen, aber nie umgesetzt worden. Vor allem aber sei der Rummelplatz vom westlich gelegenen Kurt-Schumacher-Damm aus nicht zu sehen. Ein Erdwall, der das Gelände an allen vier Seiten umschließt, nimmt die Sicht. Wollenschlaeger findet, das passt nicht. „Wir sind doch Schausteller. Wir stellen etwas zur Schau!“ Der etwa 90 Meter lange Wall auf der Westseite des Platzes müsse dringend abgetragen werden.

Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) ist durchaus bereit, die Rahmenbedingungen zu verbessern, „soweit es in unserer Hand liegt“. Eine gebührenfreie Plakatierung etwa könne man nicht erlauben, weil man sonst auch anderen Veranstaltern dieses Recht gewähren müsste. Gothe sieht auch die Nachteile des Standorts. „Aber ein anderer fällt uns leider nicht ein.“ Ein von Wollenschlaegers Vorgänger Peter Zocher ins Spiel gebrachter Vorschlag, mit den Volksfesten auf das Gelände des Flughafens Tempelhof umzuziehen, wurde von der Stadtentwicklungsverwaltung abgelehnt.

Auch Harald Wilbertz, Geschäftsführer der Berliner Festplatz Verwaltungs GmbH (BFV), die das Gelände unter anderem an den BSV vermietet, hat ein Problem mit dem Wall. Der könne Kunden kosten. Ansonsten aber ist er nicht unzufrieden. Im vergangenen Jahr sei der Platz an 150 Tagen bespielt worden – die beste Auslastung seit Bestehen. Zum Frühlingsfest im März kamen etwa 200 000 Besucher. Wilbertz will das Gelände auf jeden Fall „als dauerhaften zentralen Festplatz erhalten“.

Doch es gibt ein weiteres Hindernis. Seit seiner Eröffnung im Frühling 2000 ist das Gelände nicht im Flächennutzungsplan als Festplatz eingetragen. Hauptproblem ist der Lärm, den Volksfeste verursachen. Nördlich des Platzes liegt ein Wohngebiet, südlich eine Kleingartenkolonie. Weil jedes Fahrgeschäft unterschiedlich laut ist, muss jedes Fest eine eigene Ausnahmegenehmigung beantragen.

Nach Gesprächen mit dem BSV und der BFV haben die Fraktionen der SPD und Linkspartei nun den Senat in einem Antrag aufgefordert, den Festplatz „zu erhalten und zeitnah planungsrechtlich zu sichern“. Auch sollen Wege gefunden werden, „die Sicht auf den Festplatz durch teilweisen Abriss des Walls zu verbessern“. Sorgen, das Gelände könnte veräußert werden, sind offenbar unbegründet. „Wir haben keinen Verkaufsauftrag,“ sagt der Geschäftsführer des Liegenschaftsfonds, Holger Lippmann. Der rot-rote Antrag soll bis Ende Mai beantwortet werden.

Stadtrat Gothe ist „guter Hoffnung“, dass sich die Situation bald entspannt. In Sachen Wall könnte es bereits „im Laufe dieses Jahres“ eine Lösung geben. Zunächst aber müsse geklärt werden, ob der Wall kontaminiert sei. Vor dem Krieg befand sich auf dem Gelände eine chemische Versuchsanstalt, später ein französisches Munitionsdepot. BFV-Geschäftsführer Wilbertz ist indes überzeugt, dass die Wälle in Ordnung sind: „Das ist reine Erde.“ Das Abtragen des Walls würde nach Wilbertz’ Rechnung etwa 250 000 bis 500 000 Euro kosten. Dann gäbe es wieder freie Sicht auf Autoscooter und Geisterbahnen.

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