Berlin : Frühstück bei Sir Rocco

Mitte Oktober steigen die ersten Gäste in der Luxusherberge Hotel de Rome am Bebelplatz ab Das Haus ist schon komplett eingerichtet. Wir haben es vor der Eröffnung besucht

Matthias Oloew

Die Kunst ist schon da. Gerade erst hereingetragen von weiß behandschuhten Mitarbeitern, stehen die Malereien von Künstlern aus der Region jetzt in den Salons. Dort wird erst mal gesichtet und ganz ohne Hektik entschieden, wo welches Bild seinen Platz finden wird.

Nicht nur hier läuft alles ganz ruhig. Auch in den restlichen Etagen, Fluren und Zimmern der neuen Luxusherberge „Hotel de Rome“ ist von Hektik vor der Eröffnung nichts zu spüren – einmal abgesehen von den italienischen Möbelpackern, die gerade im Treppenhaus ein unglaublich großes Designersofa durch eine Flügeltür zu quetschen versuchen.

Hektik würde zu diesem Haus auch nicht passen. Ruhe allerorten, eine durch und durch entspannte Atmosphäre soll das Hotel prägen. Und das ist auch während der Wochen vor der Eröffnung so. Mitte Oktober werden die ersten Gäste übernachten. Aber schon jetzt sieht das Haus aus, als könnte man noch für heute Nacht einchecken.

Die meisten Zimmer stehen schon bereit. Auch die Betten sind schon da. Olga Polizzi, Schwester des Hotel-Chefs Sir Rocco Forte, hat auch für das Berliner Haus der Kette – die die beiden selbst nie so nennen würden, sondern als „collection“ bezeichnen – das Design entworfen und sich entschieden, die geschichtlichen Spuren des ehemaligen Bankhauses sichtbar zu lassen.

Zum Beispiel die Granatensplitter in der Holzvertäfelung der Suiten an der Seite zum Bebelplatz, die von den Gefechten im Zweiten Weltkrieg erzählen. Manchmal sind die historischen Spuren aber auch einfach zu gewichtig, als dass sie hätten entfernt werden können. Im Untergeschoss steht noch ein massiver Banktresor, inklusive geöffneter Schließfächer. Diesen Tresor herauszuhauen, hätte leicht die Statik des Gebäudes ins Wanken bringen können.

Ein paar Flure weiter gurgelt hier unten auch schon das Wasser in dem Pool, den Sir Rocco beim Richtfest noch skeptisch beurteilte, weil er ihm zu klein war. Jetzt ist er erweitert und misst 20 Meter. Das ist für einen Sportsmann wie ihn akzeptabel. Sir Rocco schwimmt, läuft Marathon und fährt Rad. Und wenn er das nicht tut, sinniert er in London darüber, wie die Bar und das Restaurant im Hotel de Rome heißen könnten. Eine Liste mit Vorschlägen liegt auf seinem Schreibtisch, entschieden hat er noch nicht.

Seit drei Tagen steht immerhin der Name des Küchenchefs fest: Paolo Schrott aus Südtirol. Er kochte bei Heinz Winkler in Aschau und zuletzt im Hotel Weißes Rössel in Kitzbühel. Schrott wird eine klassische italienische Küche in dem zurückhaltend gestalteten Restaurant mit Blick zum Innenhof servieren. Dort werden die Gäste auch frühstücken, vorausgesetzt, sie ziehen es nicht vor, auf ihren Zimmern zu bleiben.

Die Mahlzeiten können auch im künftigen Ballsaal eingenommen werden, der ebenfalls die historischen Spuren des Gebäudes zeigt. Im instandgesetzten Mosaik-Fußboden finden sich die Namen der vier Städte, in denen die Dresdner Bank, der das Haus einst gehörte, ihre ersten Filialen hatte: Dresden, Bremen, London und Berlin. Damit auch die Sockel der Wände wieder aussehen wie original, frischt Stuckateurin Doreen Feja das Muster mit einem feinen Federstrich auf.

In der dritten Etage befindet sich die Präsidentensuite. 260 Quadratmeter misst das Appartement mit Küche, Salons und einer für diese Verhältnisse bescheidenen Terrasse, die allerdings einen wunderschönen Blick auf Staatsoper und Humboldt-Universität bietet. Braucht man wirklich so viel Platz? „Es gibt viele Familien, die mit Nanny und eigenem Sicherheitspersonal reisen“, sagt Kai Simon, vom „Pre-opening-Office“. Wer das ist, sagt er nicht. Auf jeden Fall sind es Kunden, die nicht lange überlegen müssen, ob sie sich die Zimmer von 420 Euro aufwärts leisten können. Die Präsidentensuite ist für diesen Preis selbstredend nicht zu haben.

Was die Einrichtung kostet, behält Simon für sich. Der Baukonzern Hochtief, der das Häuserensemble zwischen Bebelplatz und Gendarmenmarkt instand gesetzt und durch einen Neubau ergänzt hat, spricht von Investitionen, die sich auf rund 150 Millionen Euro summieren.

150 Angestellte werden sich um den Service des 146-Zimmer- und Suiten- Hauses kümmern. Und sie werden Zeit haben, sich aufeinander einzuspielen. Wenn die ersten Gäste kommen, ist es nämlich noch nicht offiziell eröffnet. Das wird es erst einige Wochen später sein. Die Eröffnungsparty ist sogar noch später. Und der Termin für den Tag der offenen Tür ist auch noch offen. Das wird in aller Ruhe entschieden.

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