Berlin : Frühstücksbrot im Frühstücksboot

Wer mag, kann ab sofort den Tag mit einer Dampferfahrt beginnen lassen

Stefan Jacobs

Diese Geschichte handelt von Berlins erstem Frühstücksboot, aber zuvor muss eine Eilmeldung untergebracht werden: Die Touristin Ursula Bisang findet Berlin eine sehr saubere Stadt. Diese erstaunliche Aussage ist umso bemerkenswerter, als Frau Bisang in der Schweiz lebt und die Zürcher Idylle nur für eine fünftägige Reise nach Berlin verlassen hat. „Ich bin total positiv überrascht von der Stadt“, sagt Ursula Bisang, während sie am Mittwoch früh mit ihrem Mann Franz beim Frühstück auf dem Motorschiff „Adele“ sitzt. Damit wären wir beim Thema.

Nachdem die Fische ins Foyer gezogen und die Bilder mit den Wassermotiven in den Zimmern aufgehängt waren, haben die Manager des Radisson-SAS-Hotels im Dom-Aquarée jetzt das Boot organisiert, auf dem nicht nur Hotelgäste gleichzeitig frühstücken und vom Wasser aus die Stadt anschauen können. Morgens um acht – am Wochenende eine Stunde später – legt die „Adele“ gegenüber dem Berliner Dom ab und macht am Nikolaiviertel kehrt, um dann an Museumsinsel und Kanzleramt vorbei bis zum Haus der Kulturen der Welt und wieder zurück zu fahren. An Bord sind Kaffee, Sekt, Obstsalat und frische Brötchen. Die beiden Schweizer genießen die Aussicht durchs gläserne Schiffsdach, obwohl Franz Bisang es anstrengend findet, gleichzeitig zu essen, das Band des Bundes zu betrachten und den Erklärungen zuzuhören. Die kommen von Wassertaxi-Reeder Norbert Siebach, der soeben das Reichstagsgebäude erläutert hat („Kein Zirkus ohne Kuppel!“) und jetzt auf die riesige runde Aussparung hinten im Kanzleramt zeigt: „Das ist das Bundesschuldenloch.“ Dann geht es zurück zur Anlegestelle, hinter der der ausgeweidete Palast der Republik in der Morgensonne glänzt. Vom Wasser aus sieht der Klotz gar nicht so schlimm aus. Sogar den Schmutz auf der Fassade sieht man von hier kaum.

Nicht-Hotelgäste zahlen für die Frühstücksfahrt 26 Euro. Infos: 238 280.

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