Berlin : Frust an der Siegessäule, Euphorie am Ku’damm

Nur wenige kamen zum Music Day am angestammten Platz der Love Parade. Am Abend tanzten dann Tausende für die Erhaltung des traditionellen Umzugs.

Lars von Törne

Anfangs sah es wie ein verlorener Tag für Techno- und Musikfans aus. Rund um die Siegessäule, wo sonst jedes Jahr hunderttausende Technofans die Love Parade feierten, war es Samstagnachmittag trist und leer. Gerade mal ein paar hundert Gestalten verloren sich auf dem Großen Stern. Dabei sollten es doch Zehntausende sein, die an diesem Tag für die Rechte von Musikern auf die Straße gingen. Das hatte zumindest Kay Neumann gehofft, der nach dem Aus für die unterfinanzierte Love Parade in die Bresche gesprungen war und am Love-Parade-Tag für den geschichtsträchtigen Ort in Tiergarten den „Music Day“ angemeldet hatte.

Was stattdessen gestern rund um den Großen Stern stattfand, war für alle Beteiligten enttäuschend. „Kein Wunder, bei dem ganzen Hin und Her im Vorfeld“, sagt Kay Neumann. Er steht neben einer von drei Bühnen, einem Lastwagen, aus dessen Boxen elektronische Musik dröhnt, unterbrochen von langatmigen, teils kryptischen Redebeiträgen politischer Aktivisten. Neumann sieht die Schuld für den Misserfolg beim Land. Das hätte mit der erst am Vortag beendeten Weigerung, den Music Day als Demonstration anzuerkennen, potenzielle Teilnehmer abgeschreckt. Und dann habe die Versammlungsbehörde auch noch den Alkoholverkauf verboten – was zur Absage eines wichtigen Unterstützers führte. Deswegen erwägt Neumann jetzt eine Schadenersatzklage gegen das Land.

Einige Stunden später am Ku’damm dann das absolute Kontrastprogramm. Tausende gut gelaunter Technofans hüpfen ausgelassen hinter fünf Wagen her, von denen Szene-Größen wie DJ Dr. Motte und Paul van Dyk die Menge beschallen. „Fight the Power“ heißt das Motto der als Demonstration anerkannten Feier, die sich dafür einsetzt, im kommenden Jahr wieder eine große Love Parade durch Berlin ziehen zu lassen. Bis zu 10 000 Love-Parade-Unterstützer tanzen stundenlang zwischen Adenauer- und Nollendorfplatz oder schwenken Transparente wie „Berlin needs Love“ und „We support the Love Parade“.

Die Stimmung erinnert an die Anfänge der Love Parade vor 15 Jahren. „Wir sind superzufrieden“, sagt Veranstalter Bob Shahrestani vom Technomagazin Partysan euphorisch. So viele Teilnehmer – er zählt dreimal so viele wie die Polizei – habe man nicht erwartet. Love-Parade- Veranstalter Fabian Lenz fühlt sich bestätigt, dass sein Projekt lange nicht tot ist und mehr Unterstützung vom Senat verdient: „Wir brauchen eine gemeinsame Anstrengung von allen Beteiligten, damit es die Love Parade 2005 wieder gibt.“

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