Frust in Berlin : Zuschauer verlassen Fanmeile noch vor Abpfiff

28.06.2012 22:40 Uhrvon , , , Jessica Tomala
  • Occupy Stadtrundfahrt: Feiernde Italiener fahren mit einem Touristenbus durch Berlin. Foto: AFP
    Occupy Stadtrundfahrt: Feiernde Italiener fahren mit einem Touristenbus durch Berlin. - Foto: AFP
  • Andere nahmen sich ein kleineres Gefährt, um ihrer Freude Luft zu machen. Hauptsache auf Rädern unterwegs. Foto: dpa
    Andere nahmen sich ein kleineres Gefährt, um ihrer Freude Luft zu machen. Hauptsache auf Rädern unterwegs. - Foto: dpa
  • "Italia, Italia", tönte es nach dem Sieg gegen Deutschland über den Kurfürstendamm. Foto: AFP
    "Italia, Italia", tönte es nach dem Sieg gegen Deutschland über den Kurfürstendamm. - Foto: AFP

UpdateÜberwiegend deutsche Fans verfolgten am Abend das Halbfinalspiel vor dem Brandenburger Tor. Die Polizei zieht eine positive Bilanz - die deutschen Fans aber sind frustriert. Einen Autokorso gab es trotzdem.

Am Ende war auch das Sommermärchenwetter egal. Denn von den Hunderttausenden, die auf der Fanmeile einen großen Fußballabend feiern wollten, waren „99 Prozent“ für Deutschland. Das schätzte zumindest Andreas Sydow, der Einsatzleiter der Polizei. Das bedeutete geringes Konflikt-, aber umso größeres Frustpotenzial angesichts dessen, was die Fans auf den Großleinwänden mit ansehen mussten.

Einige hatten schon in der Mitte der zweiten Halbzeit genug und machten sich auf den Heimweg, doch die meisten harrten aus bis zum bitteren Ende – dicht gedrängt und schweigsam, wenn man von kurzen Hoffnungsmomenten wie Özils Elfmeter absah.

Wie viele Zuschauer es waren, mochten weder die Polizei noch die Veranstalter sagen. Die in der RBB-„Abendschau“ genannte Zahl von 500 000 dürfte jedenfalls sehr hoch gegriffen sein.

Knapp eine Stunde vor Anpfiff war auch der letzte Zugang wegen des großen Andrangs geschlossen worden – der an der Yitzhak-Rabin-Straße. Der Eingang vom Pariser Platz her war schon gegen 18.30 Uhr zugemacht worden, danach folgten die Tore an Ebert- und Behrenstraße.

Italien gegen Deutschland - ein Klassiker des Fußballs:

Für den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte die seit 1991 bestehende Städtepartnerschaft zwischen Berlin und dem Spielort Warschau immerhin den Vorteil, dass ihm die Warschauer Stadtpräsidentin Hanna Gronkiewicz-Waltz am Donnerstag noch ein Ticket fürs Stadion in die Hand drückte. „Ich freue mich auf ein packendes Spiel“, ließ Wowereit mitteilen. Und packend war es ja dann auch – so oder so.

Die 600 Polizisten an der Fanmeile hatten bis zum Abpfiff knapp 40 Anzeigen aufgenommen – wegen kleinerer Vorfälle wie beschlagnahmter Böller und Drogen oder wegen Beleidigungen und Rangeleien. Gemessen an der Zahl der Menschen sei das wenig, sagte ein Sprecher.

Für die Polizei sind Fußballabende längst Routine. Als potenzielle Brennpunkte gelten die Fanmeile in Tiergarten, der Kurfürstendamm und der Breitscheidplatz. Dort wird meist nach den Spielen gefeiert – aber auch mal randaliert. Augenzeugen berichteten zuletzt von „einer ungewohnt aggressiven Stimmung“ am Ku’damm.

Vor dem Kranzlereck an der Joachimsthaler Straße ließen es sich die deutschen Fans am Donnerstagabend nicht nehmen, trotz der Niederlage eine spontane Technoparty zu veranstalten. In einem Lokal gleich nebenan feierten ein paar Dutzend Fans der italienischen Mannschaft. Ein Autokorso über den westlichen Ku'damm wurde von der Polizei ab der Uhlandstraße umgeleitet. Die deutschen Fans am Straßenrand verfolgten das Geschehen größtenteils passiv und mit langen Gesichtern. Als ein Italien-Fan, der seine Fahne schwenkte, von einem Anhänger der deutschen Nationalelf geschubst wurde, gingen sofort mehrere umstehende Fußball-Fans dazwischen.

Auch die Polizei spricht gegen Mitternacht von einem insgesamt ruhigen und friedlichen Abend.

Italienische und deutsche Fans Seit’ an Seit’ konnte man im Club "Tante Käthe" in der Bernauer Straße erleben. Raffaele Campanelli und Erika Gatto waren extra aus Rom angereist, um ihren alten Studienfreund Timo Schlanz aus Charlottenburg zu besuchen und das Fußballspiel gemeinsam zu erleben. Am Ende konnten sie zumindest die Wiedersehensfreude teilen.

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