• Frust um Namensänderung in Hohenschönhausen: Ärger um das neue "H" in der Joachimstaler Straße

Frust um Namensänderung in Hohenschönhausen : Ärger um das neue "H" in der Joachimstaler Straße

Die Joachimstaler Straße in Charlottenburg bekommt einen Buchstaben dazu. In Hohenschönhausen gibt’s den schon. Das Verwechslungspotential ist groß, sehr zum Ärger der Anwohner. Ein Besuch in der Joachimst(h)aler Straße.

Jennifer Hinz
Ein Rechtschreibfehler? Nein, in Hohenschönhausen schreibt man die Joachimsthaler Straße schon immer mit H.
Ein Rechtschreibfehler? Nein, in Hohenschönhausen schreibt man die Joachimsthaler Straße schon immer mit H.Foto: Jennifer Hinz

Ein Auto mit Münchener Kennzeichen biegt in die Joachimsthaler Straße ein. Der Fahrer kurbelt das Fenster runter und ruft dem einzigen Passanten auf der Straße eine Frage zu: „Wo geht es denn hier zum Kurfürstendamm? Der soll doch hier gleich sein.“ Szenen wie diese hat er schon öfter erlebt, erzählt ein Anwohner, der lieber ungenannt bleiben will. Etwa 15 Kilometer weiter westlich wäre der Fahrer fündig geworden, in der Joachimstaler Straße in Charlottenburg. Das „h“ macht den Unterschied und rutscht vielen Touristen bei der Suche im Navigationsgerät durch. Sie landen dann in Hohenschönhausen, weitab vom Trubel der City West, in einer ruhigen Nebenstraße.

Ich kaufe ein H. Die Straße in Charlottenburg und die Straße in Hohenschönhausen unterscheiden bald nur noch die Häuserfassaden.
Ich kaufe ein H. Die Straße in Charlottenburg und die Straße in Hohenschönhausen unterscheiden bald nur noch die Häuserfassaden.Lennart Heinrichs

Der Wunsch der Joachimsthaler

Bald soll das „h“ keinen Unterschied mehr machen. Denn im Januar hatte wie berichtet Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) die namensgebende Stadt Joachimsthal im Barnim besucht. Die Joachimsthaler schmerzte der verloren gegangene Buchstabe. Sie baten um Korrektur, Naumann ließ sich dafür begeistern. Nun haben die Bezirksverordneten dem Anliegen zugestimmt.

Im Sommer dürfte es hier in Hohenschönhausen, wo das „h“ im Namen schon zu Hause ist, malerisch aussehen, wenn die vielen Laubbäume wieder Blätter tragen und in den akkurat gezogenen Beeten die Blumen blühen. Kompakte Plattenbauten umrahmen eine Grünfläche mit Buddelkasten und Basketballfeld in der Mitte des Rondells. Eine schmale Einbahnstraße führt durch die Siedlung. Künftig werden sich hier wohl deutlich mehr Autos hin verirren. Denn bald macht das „h“ keinen Unterschied mehr zwischen beiden Straßen.

Zwei mal Joachimsthaler Straße ist einmal zu viel

„Was soll denn der Quatsch?“, fragt Martin Reimann. Er wohnt mit seiner Familie in der Joachimsthaler Straße. „Man muss hier bei uns schon immer erklären, dass die Straße mit h gemeint ist. Das sollen die mal lassen.“ Auf Erklärungen komme man bereits bei einem simplen Taxiruf nicht herum. Die würden sonst erst einmal nach Charlottenburg fahren.

So klein der Unterschied im Namen, so groß der Unterschied zwischen den Joachimst(h)aler Straßen. In der Nähe des Kurfürstendamms heulen Porsche-Motoren auf und Touristen strömen aus den umliegenden Hotels zum Bahnhof Zoologischer Garten. Geht es nach den Grünen im Bezirk, sollen nach der Umbenennung zusätzliche Schilder die Geschichte hinter dem wiedergewonnenen Buchstaben erzählen. Der allgemeine Hinweis, dass die Umbennung „weder Berlin noch Joachimsthal etwas nützt“, abgegeben vom Vorstand der AG City Vorstand Gottfried Kupsch, brachte nichts mehr ein. Die Vorbereitungen laufen. Bereits in „ein, zwei Monaten“ könnten die neuen Straßenschilder montiert werden, verspricht Baustadtrat Marc Schulte (SPD).

Viel wird sich für die Hohenschönhausener nicht ändern – außer ein paar verirrten Autos mehr am Tag. Der einzige auskunftsfreudige Anwohner sagt es so: „Ich habe mich daran gewöhnt. Und es ist mir eigentlich egal, was die da im Westen machen.“

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