FU Berlin : Bröckelnde Exzellenz

Die Freie Universität ist seit kurzem Elite-Hochschule, doch an vielen Stellen sieht es trostlos aus. Viele Studenten werden in unbeheizten Instituten, zwischen beschmierten Wänden, und in abbruchreifen Einrichtungen unterrichtet.

Johannes Boie
FU Berlin
Ein Anblick, der abschreckt. -Foto: Thilo Rückeis

Die ehrwürdigen Hallen Harvards oder das weltberühmte Rot der Denkfabrik in Oxford – das sind die Orte, an die man unwillkürlich beim Wort Exzellenz denkt. Die Freie Universität spielt seit einigen Wochen in dieser Liga, sie gehört zu den Gewinnern der bundesweiten Exzellenz-Initiative. Also beantwortet auch die Pressestelle der FU die Frage, ob eine Exzellenz-Uni wie eine exzellente Uni aussehen sollte mit einem klaren „Ja“. Schließlich habe man für die landeseigenen Liegenschaften auch die Verpflichtung, diese in einem ordnungsgemäßen Zustand zu halten und außerdem liege die Universität in einem Ortsteil, in dem die Forderung nach einem städtebaulich ordnungsgemäßen Zustand besonders groß sei. Das klingt viel versprechend.

Wer sich aber die Mühe macht und ins edle Dahlem fährt, um die 1948 gegründete Uni zu besuchen, findet oft wenig Erfreuliches. Eine große Zahl der 34 000 Studenten wird in unbeheizten Instituten, zwischen beschmierten Wänden, und in abbruchreifen Einrichtungen unterrichtet. Beispiel Lankwitz: Im kommunikationswissenschaftlichen Institut kämpfen Studenten und Professoren seit Semestern mit der ausfallgefährdeten Klimaanlage, den offenbar zufallsgesteuerten elektrischen Jalousien und dem dauerhaft kaputten Mikrofon im Vorlesungssaal. Der Rohrbruch in der Damentoilette des Nebengebäudes ist hier noch das kleinste Übel. Dozenten unterrichten in manchen Seminarräumen in Wintermänteln, weil die Heizung nicht eingeschaltet ist oder nicht funktioniert. Auch der Umzug des Instituts in die Garystraße 55 nach Dahlem verspricht keine Besserung – hier fehlen ganze Teile in Zimmerdecken, nur ein kleiner Teil des Gebäudes ist neu herausgeputzt.

Dabei hat die Universität in den vergangenen Jahren von den 290 Millionen Euro Staatszuschuss und 59 Millionen Euro aus Drittmitteln, die sie pro Jahr bekommt, einen zweistelligen Millionenbetrag in Neubau-, Modernisierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen investiert. Verschönert wurden unter anderem der prestigeträchtige Henry-Ford-Bau, die Grünflächen vor den Hauptgebäuden und die berühmte philologische Bibliothek, die von Norman Forster entworfen wurde. Kein Wunder also, dass auf offiziellen Aufnahmen der Uni vor allem diese Gebäude zu sehen sind.

Außerdem werden die verstreuten Institute durch gezielten Verkauf einzelner Villen, aus denen die Uni zu einem großen Teil besteht, zentralisiert. Und größere Baumaßnahmen, wie die Asbestsanierung des Hauptgebäudes Rost- und Silberlaube werden nicht nur aus Gründen des baulichen Werterhaltes durchgeführt, sondern oft auch gleich dazu genutzt, um die Entwicklung der FU hin zu einer Campusuniversität zu unterstützen.

Der eben restaurierte Teil des Hauptgebäudes rund um die Mensa im Obergeschoss ist eine angenehme Abwechslung geworden. Die ebenfalls neuen Mega-Großraum-Toiletten im Untergeschoss versprühen dagegen den unvergleichlichen Charme einer Autobahnraststätte. Womit sie immer noch in besserem Zustand sind als zahlreiche stille Örtchen in geisteswissenschaftlichen Instituten, in denen bestenfalls nur die geistigen Ergüsse von Studentengenerationen zu finden sind: „Marx-is-muss“.

Aber auch bei den Studenten sieht es nicht anders aus: Die Räume vieler Fachschaftsinitiativen werden zwar gern genutzt, aber niemand scheint sie aufräumen zu wollen. Die Meinung der Uni-Verantwortlichen, dass das äußere Erscheinungsbild das Selbstverständnis und das Leitbild der Universität prägen, ist wohl noch nicht zu den Studenten durchgedrungen. Und falls doch, dann schwebt ihnen ein entschieden anderes Leitbild als der Uniführung vor.

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