Berlin : Fuckparade: Mit Musik läuft hier nichts

tabu

Flanieren Unmöglich. "Wo wollen Sie hin?", fragten die Polizeibeamten jeden, der auf den Platz am Frankfurter Tor zusteuerte. Wenn das Ziel die Fuckparade-Ersatzveranstaltung "Für Demonstrationsfreiheit und freie Wahl der Mittel einer Demonstration" war, musste man erst einmal anhalten. Die Beamten durchsuchten jeden einzelnen nach CD-Playern, Kassettenrekordern und Radiogeräten.

Viele der Teilnehmer, die Einkaufs- oder Bollerwagen mit Getränkeflaschen, Krimskrams, aber auch Ghettoblastern hinter sich herzogen, reagierten völlig überrascht, als die Polizisten die elektronischen Geräte konfiszierten. Hintergrund: Nachdem der eigentliche Fuckparade-Umzug vom Bundesverfassungsgericht verboten worden war, entschieden sich die Fuckparade-Sympathisanten, "ganz old-school-mäßig" vom Frankfurter Tor zum Rosa-Luxemburg-Platz zu marschieren.

Allerdings forderten die Veranstalter die Teilnehmer auf, Radios mitzubringen, um den Jugendsender "Fritz" einzuschalten. Hier spielten die DJs, die ursprünglich die Parade von den Trucks aus beschallen sollten. "Die Versammlungsbehörde hat verboten, dass hier elektronische Geräte eingesetzt werden", erklärte ein Polizeisprecher. Das Gerichtsurteil dürfe nicht konterkariert werden. Durch die Musik aus Radiogeräten würde diese Demonstration aber wieder "zu einer reinen Discothekenveranstaltung mit Singen und Tanzen" avancieren.

Die konfiszierten Geräte verwahrten die Beamten auf der Polizeiwache in der Jägerstraße in Mitte. "Heute Abend können sie sich ihr Radio wieder abholen", erläuterten die Polizisten. "Grotesk", fand Mit-Veranstalter Martin Kliehm, dass Radios nicht erlaubt waren. Sein Kollege Christian Müller empörte sich: "Jetzt ist hier in Deutschland schon Radiohören verboten. Das sind ja Zustände wie im totalitären Staat." Eine Stunde später als angekündigt, um 15 Uhr, marschierten die Demonstranten mit Trommeln, Pfeifen und Tröten los. "Mechanische Instrumente" waren nämlich erlaubt.

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