Berlin : Führung durch Lächeln

Christian Wulff zeigte der Berliner CDU, wie ein Gewinner aussieht

Werner van Bebber

Der Mann kann lächeln. Der Beifall dauert und dauert, Christian Wulff lächelt, senkt den Blick zu Boden, lächelt, schaut weg vom Publikum, lächelt, als sei es das erste Mal, dass er derart mit Applaus geehrt wird, als sei das alles zu viel des Guten. Wer meint, Wulff liefere eine gut trainierte Darstellung von Bescheidenheit, mit der man es vom niedersächsischen Oppositionsführer zum niedersächsischen Ministerpräsidenten und dann zu einem der beliebtesten deutschen Politiker bringt, der könnte irren. Wulff hatte diese freundlich-bescheidene Ausstrahlung schon, als er in der CDU noch nicht wichtig war. Jetzt, da er wichtig ist, füllt eine Einladung zur Diskussion mit Wulff leicht den Saal des Ballhauses Mitte in der Auguststraße, 200 Leute wollten ihn am Montagabend hören und sehen.

Ein Publikum kam da zusammen, das im Durchschnitt deutlich jünger war als die übliche Anhängerschaft und das sich bewegen lassen wollte von dem Gewinnergefühl, das die Granden der CDU in diesen Tag verströmen. Wulff moderiert dieses Gewinnergefühl herunter zu einer Ahnung von Aufbruch, den sich die Leute mal nicht allzu einfach vorstellen sollen. Er weiß, wovon er redet, denn Niedersachsen ist im Kleinen eine Sanierungsfall wie die Bundesrepublik im Großen.

Wulff setzt bei der Sanierung nicht auf Technokratie, sondern auf Psychologie. Er redet, das gehört sich so, über Berlin und seine Standortvorteile und spricht vom ethnischen und religiösen Reichtum: Der Mann ist eindeutig einer von den Liberalen in der CDU. Er erklärt den zweiten Wahlsieg der SPD 2002 damit, dass Schröder um „eine zweite Halbzeit“ gebeten habe – und so, wie die Leute nun mal sind, haben sie ihm die zugestanden: Der Mann ist für Gerechtigkeit. Aber er ist eben auch für Leistung und gegen die 35-Stunden-Woche. „Leistung wird wieder anerkannt!“ Auch er kennt die Beispiele von Belegschaften, die entgegen dem Tarifvertrag länger arbeiten wollen, um die Jobs zu sichern. Wulff kommt zwischendurch und in sanfter Dosierung mit den Zahlen, die für sich sprechen: 82 Millionen Deutsche, aber nur 26 Millionen, die in die Sozialkassen einzahlen – so geht das nicht weiter. Aber wie geht es weiter? Niedersachsen rückte vom innerdeutschen Rang 9 auf 6 bei der Arbeitslosenquote. Durch Entbürokratisierung, Hilfe zur Existenzgründung, weniger öffentliche Ausgaben. Ergebnis: 7000 Stellen in der Verwaltung gespart, 119 Behörden aufgegeben, 1676 Vorschriften aufgegeben

Ehrlich sein, Vertrauen schaffen, fleißig sein, ankündigen, was man vorhat, und es dann auch tun – Wulff redete von den Sekundärtugenden in der Politik und im Leben. Am Montagabend im Bahllhaus Mitte hatten sie Hochkonjunktur.

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