Berlin : Führungskrise lähmt das Erzbistum

Kardinal Sterzinsky bedauert, dass seine Gegner hinter seinem Rücken den Vatikan um Hilfe bitten

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Als richtig in seiner Diagnose hat der Vorsitzende des Diözesanrates, HansJürgen van Schewick, die Klage über die Zustände im Berliner Erzbistum bezeichnet, die eine Gruppe von Pfarrern und kirchlichen Mitarbeitern in einem Brief an den Vatikan formuliert hat. Es gebe im Erzbistum Berlin eine tiefe Vertrauenskrise, die insbesondere die Priesterschaft betreffe, sagte van Schewick. Viele Geistliche fühlten sich in der momentanen Krise allein gelassen. Als völlig falsch bezeichnete van Schewick allerdings die Entscheidung, sich nach Rom zu wenden. Die Initiatoren des Briefes hätten seiner Meinung nach besser das Gespräch innerhalb des Erzbistums suchen sollen.

Einen Rücktritt Sterzinskys hält van Schewick nicht für wünschenswert, weil das Bistum dann ein bis zwei Jahre ohne Oberhirten sei. Auch ein Visitator aus Rom sei kein Weg, neues Vertrauen zu schaffen. Er wünsche sich, „dass Kardinal Sterzinsky sieht, dass es brennt, und dass er wieder die geistliche Führung übernimmt". Dazu reiche es jedoch nicht, nur ein Schuldbekenntnis abzugeben, wie das Sterzinsky im März in einem Brief an die Gemeinden getan hatte. Der Sprecher des Priesterrates im Erzbistum, Pfarrer Bernhard Motter, erklärte gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), er selbst sei nicht vorab über die Initiative informiert gewesen. Er hätte sich gewünscht, dass die Autoren zunächst das Gespräch mit dem Erzbischof gesucht hätten. Jetzt müsse versucht werden, die Vertrauenskrise im Erzbistum zu bewältigen, sagte Motter.

Das Anliegen der Brief-Unterzeichner, die neue Impulse für die Seelsorge wollten, werde nach seiner Einschätzung von vielen Geistlichen geteilt. Auch Motter bezweifelte, dass die Forderung nach einer Visitation durch den Vatikan hilfreich sei. Kardinal Sterzinsky ließ durch seinen Sprecher Stefan Förner erklären, er sei im Gespräch mit den Autoren des Vatikanbriefs. Der Kardinal bedauere, dass der Brief nach Rom gegangen sei, bevor die Unterzeichneten mit ihm darüber gesprochen hätten. M.G.

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