Berlin : Fünf Freunde müsst ihr sein

Freizeitkicker trafen sich zur Langen Nacht des Fußballs am Olympiastadion

Alexander Schäfer

Jürgen Klinsmann braucht sich keine Sorgen zu machen – die von ihm geforderten Nachwuchskicker gibt es zuhauf. Zu Tausenden spielten sie gestern auf vier Minirasenplätzen am Olympiastadion – bis Mitternacht sollte es dauern, zuletzt bei Scheinwerferlicht.

Die „Lange Nacht des Fußballs“, genau ein Jahr vor dem WM-Endspiel in Berlin, begann für die meisten Spieler schon am frühen Nachmittag, als sich die Kicker, meist Anfang 20 und männlich, auf dem Platz vor dem Stadion aufwärmten. Leicht zu erkennen, wer zu den ambitionierten und wer eher zu den spaßorientierten Spielern gehörte: Professionelle Vereinsfußballer betrieben gewissenhaft Dehn- und Lockerungsübungen, während andere, wie der 21-jährige Marco Richter aus dem brandenburgischen Schmerkendorf, sich am ersten Bier erfrischten. Immerhin hatten er und seine Freunde eine zweistündige Anreise mit der Regionalbahn hinter sich. Eigens fürs Turnier hatten sie sich T-Shirts mit ihrem Mannschaftsnamen „East Side Boys“ bedrucken lassen und traten so als gut erkennbares Team auf – getreu Berti Vogts’ Satz „Der Star ist die Mannschaft“.

Diese musste sich oft erst finden. Viele Kicker kamen einzeln oder zu zweit – die Mannschaften aber sollten fünf umfassen. So wurden sie zusammengewürfelt und der Erkennbarkeit halber mit Leibchen ausgestattet. Talent und Geschlecht spielten keine Rolle, aus Fremden sollten Freunde werden (jedenfalls empfahl sich dies fürs Zusammenspiel; nicht umsonst sprach Sepp Herberger sein berühmtes „Elf Freunde sollt ihr sein“). Vier Mann pro Team auf dem Platz, dazu ein Auswechselspieler. Keine Torwarte, kein Schiedsrichter, das Feld 30 mal 20 Meter groß, Handballtore mit verstärkter Latte, eine Viertelstunde Spielzeit.

Schon am Nachmittag zählte Organisator Joachim Grupp mehr als 7000 Fußballfans. Erwartet hatte man 5000, bis zum späten Abend wurden es sogar 12 000. Gespielt wurde in vier Altersgruppen: bis 14 Jahre, bis 18 Jahre, ab 18 Jahren und eine gemischte Gruppe. Für einen Sieg gab es wie bei den Profis drei Punkte. Mindestens fünf Spiele konnte jedes Team absolvieren, danach traten die besten in Finalrunden gegeneinander an.

Aber „es geht hier weniger um das Gewinnen, sondern um das Dabeisein“, sagte Organisator Friedrich-Leopold von Stechow von der Stadtmarketinggesellschaft Berlin Partner. Trotzdem gab es etwas zu gewinnen: Einige WM-Eintrittskarten wurden verlost. Neben dem Sport gab es Führungen durchs Olympiastadion: in die VIP-Lounges, aber auch in die vergitterten Zellen, in die randalierende Hooligans eingeschlossen werden können. Bis zu 200 Meter lang musste man für die Touren in der Schlange stehen.

Für Marco Richter und die „East Side Boys“ indes war schon vorzeitig Schluss. Nicht weil sie schlecht gespielt hätten – um 22 Uhr fuhr ihre Regionalbahn zurück nach Hause.

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