FÜNF  MINUTEN  STADT : Bochumer Wurst

Armin Peter

Freitagmorgen um halb zehn. Wocheneinkauf in einem Supermarkt am Theodor-Heuss-Platz in Westend. In der Wurstabteilung wandert – muss auch mal sein – nach kurzer Überlegung eine Kilopackung Wiener Würstchen in meinen Einkaufswagen. Als ich mich wieder vom Regal umdrehe, sehe ich, dass sich ein älterer Mann herangepirscht hat. Spiegelnde Glatze, bequeme Alltagsklamotten und eine penibel verfasste Einkaufsliste in der Hand, Typ: West-Berliner Rentner-Original. Der Mann blickt nun zunächst kritisch auf meine Warenauswahl, dann streng in mein Gesicht. Und fragt: „Junger Mann, wann wollnse denn die Wiener Würstchen essen?“ „Na, ich denke so im Lauf der Woche.“ „Denn sollten Se se morgen holen, da sin se zwei Mark billijer!“ Noch bevor ich etwas entgegnen kann, zieht er einen aktuellen Supermarktprospekt aus seiner Jackentasche – und tatsächlich: Am Samstag kostet die XXL-Wurstpackung zwei Euro weniger. Und das sind ja, Menschen wie der Mann mit der Einkaufsliste wissen das, im Grunde sogar fast vier Mark. Wenn man’s genau nimmt. Brav lege ich die Kilopackung zurück ins Regal. Den Mann freut’s : „Jaaaa, sehnse, wa? Wissen Se, ick hol mir die ooch morjen, für zwei Mark wenijer. Ich bin doch nich bescheuert. Der Netto, dit sind doch eh schon Millionäre. Und denn jeben se dit Jeld zum VfL Bochum, dit seh ick immer im Fernsehen, uff den Trikots. VfL Bochum ... ick jloob, ick spinn!“ Armin Peter

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