FÜNF  MINUTEN  STADT : Der Fluch der Elfen

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Manfred K., massig, klein, sitzt auf einer Bank im Amtsgericht Neukölln. Die Beine schaffen es nicht bis zum Boden, baumeln. Die Hände zittern. K.s Mission: mehr Gerechtigkeit. Seine Gegner: große Unternehmen. „Die zocken die Kunden mit Knebelverträgen ab!“ Manfred K. ist eines ihrer Opfer. „Ich wollte vors Gericht, um zu sehen, ob unser Staat diese Gauner unterstützt.“ Er hüpft von der Bank, zieht in den Gerichtssaal. Dort wartet der Anwalt eines Buchclubs. K. hält sein Plädoyer: Er war Mitglied, verlor den Job, hatte kein Geld mehr für Bücher, kündigte. Der Club schickte weiter, Hunderte Bücher. Es gehe ihm nicht um die 300 Euro, die er zahlen soll, sagt K. Sondern ums Prinzip. „,Das Blut der Lilie’, ,Der Fluch der Elfen’ “, liest der Richter. „Nie bestellt!“, ruft Manfred K.. Der Richter blickt zum Buchclub-Anwalt. „Eine Kündigung gab es nicht“, sagt der. „Nur immer mehr Bestellungen“. Der Blick des Richters wandert zu K. „Kann jemand anderes bestellt haben?“ Pause. „Ihre Frau?“ K. sackt zusammen. „Fast Ex-Frau“, nuschelt er. Die Hände zittern. „Die Scheidung läuft.“ Dass sie die Bücher bestellt hat, das sei möglich. Seinen Kampf gewinnt Manfred K. heute nicht. Die 300 Euro muss er zahlen. Beim Hinausgehen ruft er: „Ich komme wieder. Gegen einen Telefonkonzern!“ Veronica Frenzel

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