FÜNF  MINUTEN  STADT : Nur ein bisschen Glück

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In der U 5 Richtung Lichtenberg. Ein junger Mann mit grünen Haaren hat einen etwa fünfjährigen Jungen in einem Fahrradanhänger dabei. Das Kind hockt darin auf mehreren Decken. Auch sein Haar ist gefärbt, in blauen Strähnen hängt es herunter. Sein Kapuzenpulli ist wild bemalt. Der Vater trägt einen Rucksack. "Wir brauchen keinen Dritten Weltkrieg. Wir haben Kapitalismus", steht auf einem Aufnäher. Aus diesem Rucksack holt der Mann jetzt eine McDonalds-Tüte, reicht dem Sohn einen Cheeseburger. Er selber nimmt sich einen Big Mac aus der Tüte.

Da steigt eine Frau mit schweren Stiefeln und löcheriger Strumpfhose ein. Als sie die beiden erblickt, sagt sie freudig überrascht: "Ihr schon?" "Mama!", ruft der Junge. Doch deren Blick wird kalt, sie reißt die McDonalds- Tüte an sich, hält sie dem Mann dicht vors Gesicht. "Ist es das, was du willst?", schreit sie ihn an. Sämtliche Fahrgäste drehen sich zu ihnen um. "Mein Gott", brüllt der Vater da noch lauter, "darf der Kleine denn nicht EINmal nur ein bisschen Glück erleben?"

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