FÜNF MINUTEN  STADT : Randalieren wie ein Boss

von

Sommerabend in Mitte, die Bar an der Ecke: richtig voll. Viele Leute draußen. Man trinkt: Moscow Mule. Man trägt: Hemden, Markenschuhe, Seitenscheitel. Man spricht: Englisch, Spanisch, ein bisschen Deutsch. Vor Holzbänken und Klappstühlen: ein Laufsteg namens Torstraße. Und dann: Reifenquietschen. Hupen. Köpferecken. Ein Typ, weißes Hemd, Hornbrille, Rauschebart, steht mit seinem Fahrrad quer auf dem Damm, astreine Taxi-Blockade. Typ brüllt, steigt ab, will zur Autotür. Taxifahrer hat darauf keine Lust, rauscht ab. Radfahrer gemächlich hinterher. Gelangweiltes Publikum. Keine zwei Minuten später: Return of the Bartmensch. Heizt die Straße wieder herauf, freihändig, falsche Richtung, Geisterfahrt. Auf der Schulter: eines dieser Verkehrshütchen, rot-weißer Kegel. Und kurz vor der Bar: Abwurf. Schweres Plastik knallt auf Asphalt, Pylon jetzt mitten auf der Torstraße. Künstlerpause. Dann nächster Akt: Der Bart nun ein paar Meter weiter auf dem Gehweg, unverändert aggressiv im Maßhemd, zwei Meter, hundert Kilo, bebender Bart. Eine winzige Frau redet auf ihn ein, schubst ihn zurück. Die Menge guckt. Große Show. „Wenn er die schlägt, hau ich ihn kaputt“, sagt einer. Unruhe. Nahende Eskalation. Doch das Fräulein beruhigt den Irren. Er lehnt an der Hauswand, abgekämpft. Interessiert schon keinen mehr. Schlürfschlürf. Lecker. Kurze Nachfrage beim Kellner, belustigtes Gesicht. „Ach der, das ist mein Chef. Eher ein normaler Abend für ihn.“ Johannes Ehrmann

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben