FÜNF  MINUTEN  STADT : Richtig superblöd

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Prenzlauer Berg, später Nachmittag. Mutter und Sohn gehen einen Bürgersteig entlang. Sie hat einen selbst genähten Sportbeutel über die linke Schulter geworfen, trägt einen Fußball unter dem anderen Arm. Er, etwa sechs Jahre alt, holpert mit seinem Roller über den Gehweg, hat die Sportklamotten noch an, ist verschwitzt – offenbar kommen sie vom Fußballtraining, von seinem Training. „Aber wieso denn nicht?“, fragt sie ihn jetzt. Er schaut nach unten, rammt das Vorderrad gegen einen losen Stein und antwortet nicht. Seine Mutter versucht es erneut. „Die Elf ist doch eine Superzahl! Zweimal die eins, eine echte Schnapszahl. Wieso willst du die denn nicht als Rückennummer?“ Sohn: „Weil die Elf blöd ist.“ Sie: „Aha.“ Er: „Richtig superblöd.“ Beide schweigen böse, laufen und rumpeln weiter Richtung Zuhause. „Die Elf ist auch in 2011 drin“, erklärt er dann nach ein paar Metern. „Und das war ein ganz blödes Jahr.“ Sie bleibt stehen und lässt den Beutel von der Schulter rutschen. „Du meinst“, fragt sie und muss schlucken, „weil die Mama da so krank war?“. Er fängt an zu schluchzen. Sie kniet sich hin und nimmt ihn in den Arm. „Aber jetzt ist doch alles schon viel besser“, sagt sie, während er das Gesicht in ihre Schulter drückt. Er schnieft. „Lieber die Zwölf“, sagt er dann. „2012 wird alles gut.“ Sie steht wieder auf und nimmt seine Hand. „Ich rede mit dem Trainer“, sagt sie. Elisa Simantke

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