FÜNF  MINUTEN  STADT : Späte Begegnungen

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Eine Schönheit auf einem Bürgersteig in Kreuzberg. Das Licht aus dem Späti umreißt ihre zerbrechliche Silhouette, etwas wackelig steht sie da auf dünnen Stöckeln. Goldene Ohrringe schimmern auf dunkler Haut. Konzentriert tippt sie ins Smartphone, klack, klack, French Manicure trifft Touchscreen. Am Tisch vor dem Späti ein Rudel spätpubertärer Jungenmänner, in relaxt hingelümmelter Pose, gleichzeitig vibrierend vor Energie. Da kommt einer aus dem Laden, läuft an der Tippenden vorbei, zu dicht: „Call to Africa?“, fragt er sie, dreht sich dann schnell weg, zur Gruppe. Belästigungsversuch eines Nachwuchs-Machos, an Schüchternheit gescheitert. Die Frau blickt kurz auf, grinst, tippt dann ruhig weiter. Derweil Verhandlungen am Halbstarkentisch. „Wie viel kost’ Desperados?“ – „Einszwölf“, weiß ein dicklicher Junge. Bald kommt auch die Freundin der Schönen aus dem Laden, gemeinsam ziehen sie ab. Neugierige Blicke von den Jungs, die eigentlich, denke ich jetzt, doch nur spielen wollen, mal ausprobieren, schnüffeln, vielleicht ein bisschen knabbern. Die beißen nicht, denke ich noch, als sich ein Junge aus der Gruppe löst, Seitenblicke von den Kollegen. Zwei Zigaretten hinter den Ohren im Anschlag, kommt er auf mich zu. „Ähm, ’tschuldigung?“, fragt er, während der Blick trotz Silberkettchen und weiter Hose zur Seite geht. „Entschuldigung ... ähm ... können Sie mir vielleicht sagen, wo heute Abend noch was geht? Also Party?“ Nantke Garrelts

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