FÜNF  MINUTEN  STADT : The famous Zipperlein

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S-Bahnhof Messe Nord. Regen. Nächster Zug in sechs Minuten. Sonntagabend-Blues. Auch bei einer Rucksacktouristin, vielleicht 30 Jahre alt, dunkle Haare, klitschnasse Füße in Flipflops. Willkommen im Berliner Sommer. Auftritt: ein alter Mann, Stock in der Linken, mit der Rechten einen leeren Einkaufstrolley hinter sich herziehend, Typ Kartoffelporsche. Lässt sich neben die Backpackerin fallen. Kurze Pause. Ganz kurze Pause. Dann: „Na, wo komm’ Sie denn her? Wie? Ah, no Deutsch, hm? Where you from?“ Costa Rica findet der Mann gut. Er erzählt vom letzten Urlaub am Meer, vor 30 Jahren. Von Stränden, Booten, Hafenbars. „Na, da war wat los!“ Lachender alter Mann. Nickende Touristin. Absolut kein Deutsch sprechende Touristin. Egal. Alter Mann erzählt: „Normal nehm’ ich den 139er, wissense, aber der fährt bloß von zehn bis sechse. Morgens neunsechsnfuffzich der erste. Also jetzt nicht mehr.“ Er zeigt auf seine Uhr. Halb sieben. Die Frau nickt. Alter Mann, auf ein Letztes: „Tun Sie mir einen Gefallen, bitte?“ – „Sorry?“ – „Bitte werden Sie nicht alt, okay?“ – „Alt?“ – „Hmmm ... be old, you know?“ – „?“ – „Wer alt ist, ist gestraft. Ist so. Then come the Zipperlein. Verstehense? Der Rücken, die Gräten.“ Mühsam, aber mit einem Lächeln zieht sich der Mann an seinem Stock hoch, krumm steht er da, mit Karohemd, Hosenträgern und der Cordhose über dem Bauch. Er sagt: „Good stay, ja?“ Dann geht er langsam, ganz langsam, der einfahrenden Ringbahn entgegen. Johannes Ehrmann

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