Berlin : Fünf Minuten

Bernd Matthies

über den kleinen Unterschied zwischen Berlin und Erfurt Die Studie stammt vom Institut für rationelle Psychologie, und da liegt zunächst die Frage nahe, ob es denn auch unrationelle oder gar irrationale Psychologie geben mag und zu welchen Ergebnissen... Egal: Dies hier ist von den Rationellen, also ist Verstand dabei. Ziel der Studie war es, die Dauer des durchschnittlichen Liebesakts zu ermitteln, und zwar je nach geografischer Lage des Schauplatzes. Am meisten Zeit nehmen sich demnach die Erfurter, am wenigsten die ewig hektischen Berliner, was noch keine Überraschung darstellt. Aber die Differenz – dreizehn Minuten die einen, acht Minuten die anderen – gibt zu denken. Nehmen wir die günstigste Erklärung: In Berlin gibt es zu viele Alternativen. Hey, sagen wir nach acht Minuten, jetzt mal genug, da ist noch die Goya-Ausstellung, in der ZeitgeistLounge chillen die Freunde schon seit Stunden, und auf den Fernsehturm wollten wir auch mal wieder. In Erfurt dagegen... Die günstigste Erklärung, wie gesagt. Es ist vermutlich ganz gut, dass die rationellen Psychologen nicht auch noch Ost- und West-Berlin getrennt untersucht haben. Wer weiß, ob die Stadt das im Sinne der inneren Einheit vertragen hätte.

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