Berlin : Fünf Sterne für den Potsdamer Platz

Rupprecht Queitsch leitet das Marriott-Hotel, das Ende des Jahres eröffnet. Bisher hat er 15 Mitarbeiter. 200 sucht der Direktor noch

Lothar Heinke

Wenn der Direktor seine Berufsstationen aufzählt, darf der Normalbürger schon mal neidisch werden: Rupprecht Queitsch, in München geboren, lernte in Schweizer Hotelfachschulen, studierte in Kanada (wo er seine Frau kennen lernte) und arbeitete in Zürich, auf den Bermudas, in Toronto, Montreal, New York und Washington. Seit 1986 bezieht er sein Gehalt von der amerikanischen Firma Marriott, die mit 2500 Hotels in 67 Ländern vertreten ist und 144 000 Leute im Beherbergungs- und Dienstleistungsbereich beschäftigt. Queitsch arbeitete in London und Amsterdam, war Direktor in Hamburg und im New Yorker Marriott Financial Center. Nun musste der 50-Jährige seinem Prager Renaissance-Hotel Ade sagen, um sich einer neuen Herausforderung in Berlin zu stellen: Im Januar soll das Fünf-Sterne-Marriott am Potsdamer Platz eröffnen, und Rupprecht Queitsch ist als „General Manager & Managing Director“ für die letzte heiße Phase zuständig – mit sichtlichem Vergnügen.

Hinter der Tür mit dem unscheinbaren Hinweis auf das „Pre-opening Office“ verbergen sich ein paar Büroräume im Parterre und ein Musterzimmer im zweiten Stock. Ansonsten wird noch heftig am Innenausbau gearbeitet, Rupprecht Queitsch hat das riesige Atrium über zehn Stockwerke hinweg schon in Gedanken ausgestaltet: „Da hinten hängen große Spiegel, in die Mitte kommt eine riesige Weltkugel.“ Das alles ist Sache der Bauleute hinter der Sandsteinfassade an der Ebertstraße neben dem Ritz Carlton, das ebenfalls zu jenem „Center“ gehört, das den Namen seines Bauherren trägt: Beisheim. Das Marriott hat 379 Zimmer und Suiten, Bankettsaal, Konferenzräume, Restaurant, Bar und Wellness-Bereich.

Der Sohn des Firmengründers, J. W. Marriott jun., sagte, als er auf das neue Haus am Lenné-Dreieck blickte: „Berlin ist eine der bedeutendsten Städte der Welt, und wir wollten seit langem unsere Präsenz in diesem wichtigen Markt ausbauen.“ Der Direktor kann solches Lob nur bestätigen, wenngleich ihm das etwas ungezügelte, konfuse Berlin noch etwas gewöhnungsbedürftig scheint. Ein Überkapazität an Hotelbetten fürchtet Marriott offenbar nicht: Die Talsohle sei bald hinter uns, die Stadt hat große Potenziale, wenn sie richtig vermarktet wird, der Standort des Hotels kann besser nicht sein.

Wichtig sei jetzt, ein Team zusammenzu- stellen, das sich ganz dem „Spirit to serve“, der Marriott-Philosophie des fundamentalen Dienens, verpflichtet fühlt. „Der weit gereiste Hotelgast von heute ist erfahrener denn je; es ist eine hohe Kunst, ihm mit Herzenswärme und ehrlichem Lächeln so zu Diensten zu sein, dass er uns im Gedächtnis behält, gern zurückkommt“, findet der Direktor. Wie das Esswerkzeug neben dem Teller liegen sollte, könne man lernen, menschliche Werte indes, die ausstrahlen und ansteckend wirken, seien die ungleich wichtigste Voraussetzung, um bei Marriotts eingestellt zu werden. Das neue Haus hat bisher 15 Mitarbeiter, 200 werden noch gesucht – in erster Linie Service- und Küchenmitarbeiter, darunter allein 16 Köche, aber auch Zimmermädchen, Rezeptionisten, Kofferträger, Hostessen, Küchenpersonal, Mitarbeiter für den Fitness-Club. Auch Bewerber türkischer oder anderer Nationalität sind willkommen, solange Deutsch- und Englischkenntnisse und Ausbildung stimmen. (Weiteres unter Telefon 220006020). Queitsch sucht Leute, die dem Gast ehrlich in die Augen schauen. „Jeder, der ein Hotel betritt, möchte ein Erlebnis – und das wollen wir ihm gern geben.“

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben