Berlin : Für 10 Milliarden Mark 30 Minuten schneller

KLAUS KURPJUWEIT

Billigerer Bahn-Ausbau mit längeren Fahrzeiten ist für Transrapid-Planer nach einem Gutachten keine Alternative VON KLAUS KURPJUWEIT

Berlin.Erst im Frühjahr will die Magnetschnellbahn-Planungsgesellschaft die endgültigen Zahlen für den Bau der Transrapid-Strecke zwischen Berlin und Hamburg vorlegen.Schon heute ist dabei allerdings gewiß, daß der Bund und die Industrie etwa 10 Milliarden Mark zusätzlich aufwenden müssen, um am Ende eine halbe Stunde schneller zu sein, als es die "alte" Eisenbahn nach einem Ausbau für eine Milliarde Mark wäre.Diese Bahn-Alternative wird in einer von den Transrapid-Planern beauftragten Studie abgelehnt.Kosten und Nutzen stünden in keinem "angemessenen Verhältnis". Untersucht wurden drei Varianten: Der Neubau einer direkten Eisenbahnstrecke zwischen beiden Städten, ein kombinierter Neu- und Ausbau über Uelzen und Stendal, wobei der neue Schnellfahrabschnitt der Strecke Berlin-Hannover mitgenutzt würde, und ein Komplettausbau der bestehenden Strecke von Hamburg über Büchen und Wittenberge nach Berlin. Ausgeschieden ist die Neubaustrecke, weil sie mit veranschlagten 5 Milliarden Mark Baukosten etwa so teuer wäre wie der Transrapid-Fahrweg.Die Gesamtkosten für den Transrapid einschließlich der Fahrzeuge sind - Preisstand 1993 - mit 8,9 Milliarden Mark veranschlagt, aus denen im nächsten Jahr preisbereinigt etwa 12 Milliarden Mark werden.Mit 70 Minuten Fahrzeit wären die Züge nur etwa zehn Minuten länger unterwegs als die Magnetbahn - aber ohne Zwischenhalt in Schwerin, den es beim Transrapid geben soll.95 Minuten würden die Züge für die Strecke über Uelzen/Stendal benötigen, deren Ausbaukosten mit 2,5 Milliarden Mark angegeben werden.Würde die bestehende Strecke, die derzeit als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit für 4,4 Milliarden Mark erneuert wird, für eine weitere Milliarde Mark komplett ausgebaut, könnten neue Neigezüge für schnellere Kurvenfahrten in 90 Minuten von Berlin nach Hamburg fahren.Dann müßten vor allem alle Bahnübergänge beseitigt werden.An diesen Kosten müßten sich aber auch die Länder und Kommunen zu je einem Drittel beteiligen.Zudem wäre nach Ansicht der Gutachter Nah-, Regional- und Güterverkehr nur eingeschränkt möglich. In keinem Fall würde die Bahn so viele Fahrgäste haben, wie sie für den Transrapid prognostiziert sind, betont Peter Jablonski von der Planungsgesellschaft.Zwischen 11,4 Millionen und 13,7 Millionen Passagiere sollen nach den neuesten Zahlen pro Jahr mit dem Transrapid fahren.Bisher gaben die Planer einen Maximal-Wert von 14,5 Millionen Fahrgästen an. Die zusätzlichen Kunden sollen vor allem vom Auto und vom Flugzeug in den Transrapid wechseln.Die Planer rechnen damit, daß nach dem Bau der Transrapid-Strecke der Flugverkehr zwischen beiden Städten eingestellt wird.Im herkömmlichen Bahnverkehr wird es wahrscheinlich auch keine direkten Schnellzüge zwischen beiden Städten mehr geben, die vom nächsten Jahr an gut zwei Stunden unterwegs sein werden.

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