Berlin : Für 55 Mark als Hertha-Fan in der Bayernkurve

MARKUS HESSELMANN

Karten-Agenturen bieten für ausverkaufte Bundesligaspiele teure Tickets an / Vereine verärgert, aber machtlosVON MARKUS HESSELMANN BERLIN.Wer in der Hertha-Geschäftsstelle anruft und sich nach Karten für das am Sonnabend anstehende Fußball-Großereignis erkundigt, wird enttäuscht: "Leider müssen wir ihnen mitteilen, daß es für das Spiel gegen Bayern München keine Karten mehr gibt", leiert es monoton vom Band.Viele Fans setzen ihre Hoffnung bei derart begehrten Partien deshalb nicht mehr nur auf den "klassischen" Schwarzmarkt wenige Stunden vor Spielbeginn, sondern auch auf inoffizielle Karten-Agenturen.Mit denen aber liegen die Bundesliga-Klubs seit einiger Zeit im Clinch. Die Münchener Kartenagentur Weber etwa bietet über Inserate im "Kicker" oder der "Fußball-Woche" für 55 Mark Kurvenplätze im Olympiastadion an, die sonst für 23 Mark verkauft werden.Restkarten, so Geschäftsführer Thomas Weber, seien immer noch vorhanden.Die Bestellung erfolgt telefonisch (089/36 26 01), bezahlt wird per Verrechnungsscheck.Die Karten stammen aus dem zehn-Prozen-Kontingent, das die Gastgeber von Bundesligaspielen jedem Gegner zur Verfügung stellen müssen.In diesem Fall gingen die Karten in München in den Vorverkauf.Hertha-Fans, die auf das Angebot eingehen, müssen also damit rechnen, am Sonnabend in der "Bayern-Kurve" zu landen.Weber ist natürlich nicht der einzige, der in diesem lukrativen Zwischenhandel tätig ist: Bei der Agentur RKS in Frankfurt (069/380 30 200) liegen nach Auskunft am Karten-Telefon sogar noch "eine ganze Menge" Tickets für das Hertha-Bayern-Spiel vor. "Wir können nur alle Fans davor warnen, sich von diesen Leuten Tickets zu überhöhten Preisen anbieten zu lassen", sagt Matthias Huber, Geschäftsstellenleiter bei Hertha BSC.Rechtlich vorgehen kann er gegen diese nach ihrer eigenen Auskunft auf ausverkaufte Sportereignisse spezialisierten Agenturen nicht.Denn die treten als Aufkäufer selbst nicht in Erscheinung.Statt dessen erwerben "freie Mitarbeiter" die Karten in kleinen Mengen.Und solchen "Privatpersonen", die sich strikt an die in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgelegte Obergrenze von zehn Karten pro Person halten, kann niemand verbieten, ihre Ware dann an eine Agentur weiterzugeben."Das ist vergleichbar mit einem gebrauchten Auto, das ich einem Händler anbiete", sagt Hertha-Mann Huber.Thomas Weber von der Münchner Agentur sagt dagegen: "Die Vereine tun aber alles, um uns Knüppel zwischen die Beine zu werfen.Uns wurde zum Beispiel schon kurz nach der Firmengründung der Betriebsprüfer auf den Hals gehetzt." Nicht zuletzt, um den findigen Geschäftemachern das Wasser abzugraben, bietet Hertha am Spieltag doch noch einmal 1400 Karten für das Bayern-Spiel an.Ab 13.30 Uhr können diese Tickets am Sonnabend an sechs speziell gekennzeichneten Kassen an beiden Stadiontoren erworben werden.Die Preise (nur für den Block B unter der Haupttribüne): 55 Mark, mit den üblichen Ermäßigungen 30 Mark - jeweils eingerechnet den mittlerweile bei besonders attraktiven Gegnern üblichen "Top-Zuschlag" von zehn Mark.

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