Für ALLE Felle : Für ALLE Felle

Sie verweigern den Gehorsam, machen, was sie wollen: unsere Haustiere Was tun? Die Tiertherapeutin weiß es.

Protokoll: Susanne Leimstoll

DAS PROBLEM

Prinz ist der Schrecken aller Radfahrer, Kinder und Skater. Der Riesenschnauzer, vier Jahre, Rüde, kastriert, jagt alles, was mit Tempo an ihm vorbeikommt. Sogar auf Autos geht der 43 Kilo-Kerl los und versucht, in die Stoßstange zu beißen. Sein Halter, Anwalt Matthias D., bringt den Hund nicht zur Räson.



DIE ANALYSE

Matthias D. hatte den Schnauzer ein Jahr zuvor aus schlechter Haltung übernommen. Beim Vorbesitzer hatte Prinz die ersten drei Jahre nur im Garten gelebt. Der Hund war geistig und körperlich also nie ausgelastet und hat auch nichts als den einsamen Garten kennengelernt. Ein Tier im Exil, das nie spielen, sich nie wirklich müde laufen durfte. Dass Kinder und Autos keine Jagdbeute sind, hatte Prinz nicht gelernt. Wie denn auch?

DIE DIAGNOSE

Übertragenes Jagdverhalten.

DIE THERAPIE

Ein solches Fehlverhalten ist nicht zu therapieren. Man kann nur versuchen, es zu kontrollieren. Das Trainingsprogramm könnte mit „Management-Maßnahmen“ überschrieben werden. Prinz durfte nur noch mit Maulkorb frei laufen. Außerdem musste Matthias D. mit ihm Grundgehorsam üben und ein Antijagdtraining absolvieren. Viel Arbeit, der erste Block dauerte etwa ein Jahr. Und so funktionierte es: Prinz lernte beim Gassi gehen an der Leine, wann immer sich ein schnelles Objekt oder Lebewesen näherte, auf Kommando in eine Beißwurst aus Leder zu beißen. Den Angriff streng zu verbieten, nützt nämlich nichts, der Hund braucht eine Ersatzbeute. Als das klappte, lernte Prinz, auf das Rückrufsignal zu hören. Wenn Herrchen einen Ball leicht bewegte, musste der Hund „Sitz!“ und „Platz!“ machen, ohne seinem Jagdtrieb nachzugeben. Später funktionierte das Gehorchen sogar, während der Ball noch flog. Funktioniert bei Gebrauchshundearten wie Schnauzer, Boxer, Dobermann, Rottweiler, Schäferhund; sie sind auf Gehorsam leicht zu trainieren und sehr beutemotiviert. Wichtig für Hunde wie Prinz ist:  ein Leben lang gut trainiert werden, immer im Gehorsam stehen, auf Spaziergängen beschäftigt werden. Prinz brauchte einen Job – und den bekam er. Protokoll: Susanne Leimstoll

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