Berlin : Für Attentate haben sie Verständnis

1000 Islamisten marschieren beim „Al-Quds-Tag“ auf

Frank Jansen / Suzan Gülfirat

Als einige der jüngeren Demonstranten eine kleine Gruppe mit Israel-Fahne sehen, rasten sie beinahe aus. Mehrere Hitzköpfe laufen über den Mittelstreifen der Kantstraße, einer schreit „Nieder mit Israel“. Doch die bärtigen Ordner fangen die Ausreißer ein und drücken sie in die Demonstration zurück. Am Straßenrand schirmen Polizisten im Kampfanzug das Häuflein mit der Davidstern-Flagge ab. Der umstrittene Islamisten-Aufmarsch zum „Al-Quds-Tag“ (Jerusalem-Tag) endet nicht im Krawall.

Mehr als 1000 Israelfeinde aus Berlin und anderen Städten sind gekommen, um an dem von Ajatollah Khomeini ausgerufenen Kampftag für die „Befreiung“ Jerusalems zu demonstrieren. Schon zum Start auf dem Adenauerplatz sind wüste Sprüche zu hören. „Frieden gibt’s nicht“, sagt ein junger Libanese, „die einzige Möglichkeit ist Krieg.“ Ein Geistlicher mit weißem Turban rechtfertigt die Selbstmordattentate als Widerstand „gegen die israelische Kriegsmaschinerie“.

Als Wortführer tritt Yavuz Özoguz auf. Der bärtige Deutschtürke aus Delmenhorst betreibt das Internet-Portal „ www.muslimmarkt.de “, in dem sich Israelhasser austoben und zum Boykott von Waren aus dem „Pseudostaat“ aufrufen. Auf die Frage nach „Tod Israel“-Parolen der Al-Quds-Aufmärsche vergangener Jahre doziert Özoguz, „Tod heißt bei Arabern nicht unbedingt physische Auslöschung, es kann auch ,Nieder mit’ bedeuten.“ Dann setzt er sich in den Lautsprecherwagen, spult Parolen ab. Die Demonstranten – vorn die Frauen mit vielen Kinderwagen, dann die Männer – rufen, wie angekündigt, nichts. Dafür darf ein deutscher Rechtsextremist mitmarschieren und auf einem Schild gegen die „Diktatur der Medien und der US-amerikanischen Ostküste“ hetzen. Zuvor haben Beamte der Polizeispezialeinheit PMS zwei NPDlern Platzverweise erteilt.

Nahe dem Stuttgarter Platz wehen Israel- und US-Fahnen. 100 Linke, Schwule und andere Islamisten-Gegner haben sich versammelt. Der Protest, der sich in den vergangenen Tagen in einem Aufruf mit mehreren hundert Unterschriften artikuliert hat, bleibt dünn.

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