Berlin : Für Autos ist kein Platz am Riesenrad

Verkehrskonzept setzt auf die Anfahrt mit dem Nahverkehr – Investoren müssen Umbauten zahlen

Klaus Kurpjuweit

Wenn sich das geplante Riesenrad am Zoo im Spätsommer 2009 wirklich dreht, dürfen Fahrgäste, die mit Reisebussen ankommen, nur in die Gondeln einsteigen, falls sie sich vorher angemeldet haben. Busse ohne Anmeldung sollen abgewiesen werden. Dies sieht das Verkehrskonzept vor, dass die Initiatoren des Aussichtsrads erstellt haben. Details wurden gestern im Verkehrsausschuss des Parlaments mitgeteilt. Auch ein Kombiticket für Fahrten im Nahverkehr gehört dazu.

Nur für maximal 17 Reisebusse werde es am Riesenrad – dessen Baubeginn auf dem Wirtschaftshof des Zoos sich, wie berichtet, um ein Jahr verzögert – Parkplätze geben, sagte Heribert Guggenthaler von der Stadtentwicklungsverwaltung. Fahrzeuge von auswärts müssen sich beim Betreiber anmelden, sobald sie den Berliner Außenring passiert haben. So soll der Busverkehr zum Riesenrad gesteuert werden. Wer an den Schranken nicht nachweisen könne, dass der Bus angemeldet ist, werde abgewiesen, sagte Guggenthaler. Das System zum Anmelden müsse der Betreiber des Aussichtsrads, die Great Wheel GmbH und Co KG, entwickeln.

Sie muss auch alle Kosten – mehrere Millionen Euro – für die Verkehrsanbindung übernehmen. So muss unter anderem ein Gleichrichterwerk der BVG, das die U-Bahn mit Strom versorgt, verlegt werden.

An den Viaduktbögen der Bahn ist nördlich der Hertzallee ein neuer Durchgang nur für Fußgänger vorgesehen. Unter der vorhandenen Unterführung soll es einen breiten Übergang für Fußgänger geben, der mit Ampeln gesichert wird. Bis zu 2000 Fußgänger werden zwischen Riesenrad und Bahnhof Zoo in der Stunde erwartet. Die Ampeln müssen so geschaltet werden, dass die Linienbusse der BVG, die dort ihren Aufstellplatz haben, so wenig wie möglich aufgehalten werden. Der Verkehrsbetrieb sei mit dem Konzept einverstanden, sagte Guggenthaler.

Für Autos gibt es direkt am Riesenrad keinen Platz. Besucher sollen mit Bahnen und Bussen kommen. Im Vorverkauf soll es deshalb – unter anderem im Internet – ein Ticket geben, das auch als Fahrschein in Bahnen und Bussen gilt.

Wer trotzdem mit dem Auto fahren will, muss sich in der Umgebung einen Parkplatz suchen. Rund 250 Plätze wollen die Riesenradbetreiber in der unter dem Hardenbergplatz geplanten Tiefgarage reservieren, die insgesamt 500 Plätze erhalten soll. Wenn diese Anlage ohne öffentliches Geld gebaut werden könne, werde der Senat sich nicht dagegen sperren, sagte Guggenthaler weiter.

Ein direkt am Aussichtsrad geplantes Parkhaus hatte der Senat dagegen abgelehnt. Der Verkehr auf der Straßen in der Umgebung wäre dann nicht zu bewältigen, begründete der Senat den Verzicht aufs Parkhaus. Unter dem Riesenrad soll nun nur eine kleine Tiefgarage für je etwa 20 Kleinbusse und Autos von Behinderten entstehen. Für Fahrräder sind 200 Stellplätze geplant.

Damit Fußgänger auch aus Richtung Kurfürstendamm zum Riesenrad laufen können, ist in Höhe der Jebensstraße ein Fußgängerüberweg auf der Hardenbergstraße vorgesehen. Den Bau der erforderlichen Ampelanlagen müssen die Investoren ebenso finanzieren wie den Umbau von Kreuzungen.

Nach einem Jahr soll dann überprüft werden, ob sich das Konzept bewährt. Wenn nicht, müssen die Betreiber es ändern – und dafür erneut zahlen.

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