Berlin : Für BER geheuert – und gefeuert?

Hunderte Angestellte bangen wegen des Terminverzugs um ihre Jobs Arbeitsagentur prüft, ob Kurzarbeitergeld gezahlt werden kann.

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Auch Regierende müssen draußen bleiben. Noch zehn Monate dauert es, bis die Rolltreppen im neuen Terminal in Betrieb gehen – aller Voraussicht nach. Foto: dpa/Patrick Pleul
Auch Regierende müssen draußen bleiben. Noch zehn Monate dauert es, bis die Rolltreppen im neuen Terminal in Betrieb gehen – aller...Foto: dpa

Hunderte Arbeitnehmer bangen um ihren Job, den sie eigentlich im Juni auf dem neuen Flughafen antreten sollten. Wie die zuständige Arbeitsagentur Potsdam mitteilte, seien mindestens 360 Mitarbeiter betroffen, die speziell für den BER vermittelt worden waren und jetzt vorerst keine Arbeitsstelle haben. Ob die Unternehmen diese Kräfte trotzdem halten können, ist ungewiss. Die Arbeitsagentur prüft, ob es finanzielle Hilfe gibt.

Am Flughafen Tegel ist die Stimmung unter den Mitarbeitern bereits angespannt. Viele Geschäfte hatten ihren Räumungsverkauf bereits begonnen und haben nun ihre Werbeschilder, die mit 20 oder 30 Prozent Rabatt lockten, wieder aus den Fenstern genommen. Reden darf hier über die Zukunft der Geschäfte und Mitarbeiter niemand. Einige halten stattdessen Visitenkarten mit den Servicenummern der Konzernzentralen bereit. „Doch selbst, wenn ich es Ihnen sagen dürfte, wir wissen ja selbst nicht, wie es weitergeht“, sagt die Mitarbeiterin einer großen Bekleidungskette. Einige Meter weiter, im Last-Minute-Shop von s.Oliver, hielt man dieser Tage sogar noch eisern am Schlussverkauf fest. „Wir können zu diesem Thema nichts sagen“, heißt es aus der Zentrale. Man befinde sich noch in der konkreten Planung.

Ähnlich geht es vielen auch kleineren und mittelständischen Unternehmen, die nun nicht wissen, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen. Rund 20 Prozent der 150 Dienstleister, die am neuen Flughafen einziehen, hätten sich bereits an die Arbeitsagentur gewandt und um Hilfestellung gebeten, erklärt Clarissa Schmidt von der Arbeitsagentur Potsdam. Sie rechne aber damit, dass sich demnächst noch mehr Unternehmer melden. Neben den hunderten Mitarbeitern, die nun zu früh eingestellt wurden und bezahlt und beschäftigt werden wollen, sind nochmals mindestens 350 Stellen vakant. Ohne sicheren Eröffnungstermin haben die Unternehmen aber kaum Planungssicherheit, Mitarbeiter zu Bewerbungsgesprächen einzuladen. Die Verfahren liegen auf Eis. „Wir raten den Arbeitgebern deshalb, bereits eingestellte Mitarbeiter auf jeden Fall zu halten“, sagt Schmidt. Man werde auf die Unternehmen zugehen und vorschlagen, diese Arbeitskräfte für die Übergangsphase etwa als Urlaubsvertretung zu nutzen.

Bei den größeren Unternehmen klappt das bereits. McDonald’s ist mit etwa 100 neuen Angestellten am BER mit am stärksten betroffen. „Bei uns muss aber niemand entlassen werden“, sagt Jennifer Gehrmann, Sprecherin der Unternehmensregion Nord-Ost. Die Arbeitskräfte würden übergangsweise in den 61 anderen Restaurants in Berlin eingesetzt.

Doch nicht alle Unternehmen können sich das leisten. Kay Herrig, Inhaber des Blumenhauses Schamp, kann die fünf Mitarbeiter, die er für den BER angestellt hat, nicht unterbringen. Das Gehalt muss er trotzdem zahlen, wie lange er das kann, sei ungewiss. Für solche Fälle wird laut Arbeitsagentur nun geprüft, ob Kurzarbeitergeld bezahlt werden kann. Auch der Regierende Bürgermeister Wowereit hatte für Betroffene wirtschaftliche Entschädigung angekündigt. Zuständig sei aber die Flughafengesellschaft. Bis heute hat Herrig aber weder von der Arbeitsagentur, noch von den Flughafenbetreibern irgendeine Nachricht bekommen. Bei all dem Chaos rechne er so bald damit auch nicht. Sidney Gennies

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