Berlin : Für Bürgermeister Zeller ist der Mauerabriss nicht verhandelbar

Sportplatz statt DDR-Grenzanlagen am Nordbahnhof: Der Bezirk Mitte hält trotz vieler Proteste an diesem Plan fest. Pro und Contra

Marc Neller

Wer streitet mit wem über die Gedenkkultur in Berlin: ein PDS-Kultursenator und ein CDU-Bezirksbürgermeister? Der Senat und die Berliner CDU? Die Unionsspitze untereinander? Sicher ist, es geht um 90 Meter originale Hinterlandmauer am Nordbahnhof und darum, ob dieser denkmalgeschützte Teil stehen bleibt – oder ein Sportplatz kommt, wie es Mittes Bürgermeister Joachim Zeller plant.

Kultursenator Thomas Flierl (PDS) hält besagten Mauerrest mit Blick auf sein Gesamtkonzept zum Mauergedenken in der Stadt „für unverzichtbar“ – und sieht das gesamte Konzept „bedroht, wenn das Mauerstück einem Sportplatz weichen muss“. Und auch Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) will den Abriss verhindern. Der Kultursenator will die Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße in den Mittelpunkt dieses Konzepts stellen – wofür er die Unterstützung einer überparteilichen Kommission aus Historikern sowie Bundes- und Landespolitikern hat. Die Gedenkstätte soll demnach mit einer Freiluftgedenkstätte aufgewertet werden, die derzeit geplant wird. Die Hinterlandmauer inklusive.

Mittes Bürgermeister Zeller (CDU) und Baustadträtin Dorothee Dubrau (Grüne) wollen dagegen den Sportplatz bauen. Zeller sagte am Freitag, dass der Bauplan für den Sportplatz nicht mehr zu stoppen sei. „Das ist nicht verhandelbar. Uns drohen wegen Vertragsbruchs Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe, die ich nicht verantworten werde.“ Zudem wirft Zeller dem Kultursenator ein Ablenkungsmanöver vor. „Flierl will sein Versagen am Checkpoint Charlie kaschieren.“ Das sieht CDU-Generalsekretär Frank Henkel auch so. Wie Zeller verweist er darauf, dass Flierl 2000 als Baustadtrat den jetzt strittigen Beschluss mitgetragen hat. Trotzdem sagt Henkel: „Ich hätte mir einen sensibleren Umgang des Bezirksamtes mit diesem Thema gewünscht.“ Schließlich hat sich die CDU gerade noch für den Erhalt der Mauerkreuze am Checkpoint Charlie stark gemacht. „Ich habe den Beteiligten nahe gelegt, zu prüfen, ob der Sportplatz nicht auch zu realisieren ist, ohne das umstrittene Mauerstück abzureißen.“

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