Berlin : Für das Bistum mag niemand Geld sammeln

Claudia Keller

Das Erzbistum Berlin hat seine groß angelegte Spendensammel-Aktion gestoppt. Es fehlt an prominenten Unterstützern – auch weil die Zweifel wachsen, dass der Schuldenberg des Bistums durch den von der Unternehmensberatung McKinsey aufgestellten Sanierungsplan in absehbarer Zeit getilgt werden kann.

Georg Kardinal Sterzinsky hatte im November 2003 und Anfang 2004 rund 270 000 katholische Haushalte in Berlin per Brief um eine Spende für das in Geldnot geratene Bistum gebeten. Ursprünglich war geplant, in einer zweiten Phase mit prominenten Katholiken für das Bistum zu werben – dafür wollte man zum Beispiel den stellvertretenden Unions-Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz und den früheren Bundesbankchef Hans Tietmeyer gewinnen. Das sei nicht gelungen, sagte Bistumssprecher Stefan Förner. Zur Begründung hieß es offiziell, das Projekt wäre nur mit Investitionen zu verwirklichen gewesen, die sich das verschuldete Erzbistum nicht leisten könne. Bis zu zehn Millionen Euro Spenden hatte das Bistum so einnehmen wollen. Inoffiziell hieß es in Bistumskreisen, die prominenten Werber hätten ihre Namen nur dann hergeben wollen, wenn ihnen die Kirchenleitung zusichern könne, dass der Sanierungsplan von McKinsey realistisch sei und danach in das Erzbistum wieder Ruhe einkehre. Daran jedoch gibt es erhebliche Zweifel. Nach neuesten Berechnungen wird die Sanierung bis weit ins nächste Jahrzehnt dauern. Auch nach 2008 wird noch ein Schuldenberg von mehr als 30 Millionen Euro abzubauen sein. Auf die 270000 Bittbriefe des Kardinals hin sind auf dem Konto des Erzbistums 980000 Euro zusammengekommen.

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