Berlin : Für das Bond-Girl blieb nicht mal ein Bikini

1750 Gäste feierten die Premiere des neuen 007-Films „Stirb an einem anderen Tag“ Am roten Teppich warteten hunderte begeisterte Zuschauer auf die Stars

Andreas Conrad

Jetzt mal alle heraus mit der Sprache: Welchen Körper hätten’s denn gern? Ist doch bald alles kein Problem mehr, glaubt man dem neuen Bond-Film. Nur mal die DNS richtig durcheinander rühren oder schütteln, schon hat jeder seine Traumfigur. Nun, Mr. Brosnan? Doch der windet sich, legt die Stirn in tiefe Falten, setzt zur Antwort an, bricht wieder ab. Die besten Typen sind ja auch schon vergeben. Für Steve McQueen hatte sich Lee Tamahori, Regisseur von „Stirb an einem anderen Tag“ entschieden. McQueen wäre Brosnan auch gern geworden, oder doch lieber der junge Marlon Brando? Bond-Girl Halle Berry würde lieber das Geschlecht wechseln, wäre gern „irgendein Mann“. Also wer nun, werter Pierce? Der kann sich noch immer nicht entscheiden, die Antwort ist ja auch riskant, egal ob er nun Schwarzenegger, Bogart oder Woody Allen wählt, das Image leidet so oder so, da windet er sich lieber, bis der Moderator den hilfreichen Strohhalm reicht. Also gut, jetzt muss es raus: Pierce Brosnan möchte lieber nicht jemand anders sein, er bleibt lieber wie er ist.

Und noch so eine aufs Intimste zielende Journalistenfrage, schon ziemlich gegen Ende der knappen Dreiviertelstunde im Adlon: Ob man denn irgendwelche Erinnerungsstücke vom Set mitgenommen habe? Natürlich den Wagen, flachst Brosnan, flicht noch schnell eine Erinnerung an seine Kindheit ein, an „Goldfinger“ und den legendären Aston Martin DB 5. Auch er habe damals solch ein Corgi-Modellauto besessen, mit abnehmbaren Dach und Schleudersitz.

Da fallen die Träume von Halle Berry schon weiblicher aus, ihr Wunsch nach DNS-Umwandlung war wohl doch nicht so ernst gemeint. Also den Bikini, mit dem sie wie einst Ursula Andress in „Dr. No“ aus den Fluten steigt, den hätte sie gern behalten. War aber leider nichts zu machen. Zwei der am Set bereit liegenden Exemplare seien auf mysteriöse Weise verschwunden, der dritte wanderte ins Firmenmuseum. So bleibt immerhin die Erinnerung daran, James Bond geküsst zu haben. Natürlich ein Superkuss, wer hätte es anders erwartet.

Möglich, dass sie noch einmal küssen darf, Überlegungen für einen zweiten Auftritt bei 007 hat es gegeben, noch ohne endgültiges Ergebnis, wie Halle Berry verrät. Aber wer auch immer Bond-Girl des nächsten 007-Films wird, geküsst wird wieder Pierce Brosnan. Kurz vor der PR-Tour wurde er gefragt, und er hat wieder ja gesagt. Das von Brosnan gleich zu Beginn angedeutete Hauptproblem so einer Pressekonferenz wird sich dann wohl noch heftiger stellen: „Ich weiß nicht, ob ich etwas Neues sagen kann, aber ich werde mein Bestes tun.“

Währenddessen wurde unterm Sony-Zelt am Potsdamer Platz noch aufgebaut. Zwei Monsterautomaten formten ein Laser-Tor, da mussten am Abend alle durch, nur gut, dass die Lichtstrahlen nur aus Neonröhren waren. Niemand musste also fürchten zu verschmurgeln wie einer der Bösewichte im Film. 1750 Gäste waren geladen, denen ein Industrieroboter im Kinofoyer die Drinks reichte: abfüllen, mixen, servieren, abfüllen. Als die Stars in schweren Luxuslimousinen vorfuhren, geriet die Menge außer Rand und Band. Teenager kreischten, tobten und versuchten, die Autogramme zu ergattern. Natürlich standen wieder die lokalen Premierenstammgäste auf der Liste, Horst Buchholz etwa oder Artur Brauner und Michael Gwisdek. Aber auch Gesichter, die man hier nicht alle Nase lang sieht, waren da: Sasha, Die Fantastischen Vier, Barbara Becker. Nach der Vorführung ging es weiter ins Schauspielhaus, schließlich galt es ja auch 40 Jahre Bond zu feiern. Der Jubiläumsdrink war überflüssigerweise auf der Einladung angekündigt: „Martini – geschüttelt, nicht gerührt“.

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