Berlin : Für das Sinnliche am Shoppen

Die drei neuen Modeetagen im KaDeWe sind fertig gestellt: Platz für Chic und Charme

Elisabeth Binder

Dass ein Mann, ein Franzose gar, beim Anblick von Dessous an Erotik denkt, ist menschlich ja nur allzu verständlich. KaDeWe-Chef Patrice Wagner meinte aber gar nicht die burgunderfarbenen Designer-Spitzen, die glänzenden gold-schwarzen Negligés, als er beim ersten Rundgang durch die neuen Fashion-Etagen sagte: „Das hat was Erotisches!“ Er bezog sich auf ein riesiges Panorama-Bild des nächtlichen Berlin im Hintergrund der um das Doppelte auf 2000 Quadratmeter erweiterten Abteilung mit allem was sich Ladys für „drunter“ erträumen können.

Nach der Umbauzeit mit ihren labyrinthischen Herausforderungen präsentieren sich die insgesamt drei neuen Modeetagen mit insgesamt 20000 Quadratmetern Trends und Klassik umso glanzvoller. Etwa 40 Prozent seiner Fläche widmet das Haus jetzt der Mode. Vier Meter breite Avenues oder auch Boulevards werden von etwas schmaleren Straßen gekreuzt, schachbrettartig übersichtlich, als habe man sich beim Entwurf an den Straßen von Manhattan orientiert. Bestimmte Materialien wie Parkett oder Marmor oder Naturstein definieren die Wege, damit man sich besser orientieren kann. „Handel ist Wandel“, zitiert Wagner einen alten Einzelhänder-Spruch. Damit auch Vielbeschäftigte den Einkaufsbummel als Mußeerlebnis entdecken können, hat das Haus in dieser Woche sogar ausnahmsweise am Sonntag zwischen 12 und 17 Uhr geöffnet.

Auch ein Flaggschiff wie das KaDeWe muss sich immer wieder neu erfinden, und diesmal hat es das mit besonderer Gründlichkeit getan. Schwarzer Marmor, Nussbaum mit Oberflächen wie Reliefe, feine Metallgewebe an den Decken: Die Optik atmet Luxus, aber das Konzept richtet sich an alle Käuferschichten. „Wir haben schließlich zwischen 40000 und 50000 Gäste am Tag, das sind nicht nur Hochverdiener“, sagt der Kaufhaus-Chef Also gibt es auch weiterhin ganz normalpreisige Marken.

Es sind aber auch Glanzlichter dazu gekommen, besonders in der ersten Etage, die nun völlig den Männern gewidmet ist. Modeopfer finden sich ja gerade in dieser Hälfte der Menschheit öfter als man gemeinhin denkt. Sie können sich zum Beispiel in der deutschlandweit einzigen Repräsentanz dieser Art von Dior Homme austoben oder auch in der Boutique mit edlen britischen Sachen von Paul Smith.

Die Herren-Dessous hat man dezent von den Rolltreppen entfernt und in den Hintergrund gerückt. Unter einer schwarzen Decke reihen sich Designermarken, allen voran die Firma Boss. Die Schuhe werden nicht mehr nach Größen angeboten, sondern nach Marken und sind auf ausladenden runden Holzrädern angerichtet. In den Kabinen laden graue Lederbänke zum Verweilen im kritischen Antlitz der Spiegel. Auch Sitzecken gibt es für solche Männer, die Shopping immer noch unter Anstrengung verbuchen. Neben feinen Manschettenknöpfen, zum Beispiel von Baldessarini und einer Ecke für Maßkonfektion am Ende des Designer-Boulevards wird nach wie vor jede Menge Lässiges geboten, vor allem auch internationale Trendsetter wie „La Martina“. Auch das Reisegepäck ist nun in der ersten Etage zu finden.

Shopping muss zum Erlebnis werden, um als Freizeitbeschäftigung wirklich befriedigend zu sein. In der zweiten Etage ist eine Fashion Lounge eingerichtet im Art Deco Stil, für kleine Modeschauen oder sonstige Happenings. Gestern lief dort der Film „Frühstück bei Tiffany“, was irgendwie gut zum neuen Ambiente passte. Die weitläufige Schuhabteilung mit Modellen von Armani oder Ferragamo zeigt besonders deutlich den Abstand zu den Arrangements vor dem Umbau. Auch hier gibt es neben Vertrautem und Klassischem aktuelle Trendmarken wie „Seven for all Mankind“-Jeans oder „Pringle of Scotland“.

Das moderne Kaufhaus von Welt muss schon 40 Prozent seiner Verkaufsfläche der Mode widmen, findet Patrice Wagner, der sich in der internationalen Konkurrenz grundsätzlich nur an absoluten Spitzenhäusern orientiert, und auch das nur, um sie abzuhängen. Immerhin 46 Millionen Euro konnte er investieren, damit sein Haus in der Mode-Präsentation zum 100. Geburtstag in zwei Jahren jünger und schicker denn je dasteht. Einkaufen als sinnliches Erlebnis ist eben keinesfalls nur auf Dessous begrenzt.

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