Berlin : Für den alten Containerbahnhof werden neue Nutzer gesucht

Das Moabiter Bahngelände zwischen Lehrter und Heidestraße, einst West-Berlins größter Güterumschlagplatz, liegt weitgehend brach

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Sie gehört zu den ödesten Straßen Berlins, ihre Umgebung liegt weitgehend brach. Tagsüber verirrt sich kaum ein Fußgänger hierher. In den wenigen Häusern stehen viele Wohnungen leer, hier und da gibt es Lagerhallen und Gewerbe – und das in zentraler Stadtlage in Sichtweite des neuen Hauptbahnhofs. Die Heidestraße in Moabit und der einstige Containerbahnhof sind wie ein weißer, vergessener Fleck im Stadtbild. Wenn sich im September der TiergartenTunnel mit neuen Zufahrten zur Heidestraße öffnet, dann wird das Brachland im Zentrum der Stadt noch offensichtlicher.

Was aus dem stillgelegten Bahngelände zwischen Lehrter und Heidestraße – einst West-Berlins größter Güterumschlagplatz – werden soll, ist unklar. Die Immobiliengesellschaft Vivico, die früheres Bahngelände entwickelt (etwa am Gleisdreieck) vermeldet zwar einen erfolgreichen Mietabschluss: 1000 Quadratmeter an die amerikanische Baufirma Hensel Phelps, die das US-Botschaftsgebäude errichtet. Aber das ist nur eine kleine Fläche und eine „Zwischenlösung“. Langfristig könnten Wohnungen, Büros, Hotels entstehen, man spreche derzeit mit potenziellen Nutzern, sagt Wilhelm Brandt von der Vicario. Es gebe noch keine Ergebnisse. Die Firma wolle das Gelände nutzerorientiert entwickeln und nicht zusätzlichen Leerstand schaffen. Den Bereich Hamburger Bahnhof an der Invalidenstraße werde man allerdings nach und nach zum Kulturstandort ausbauen. Dabei geht es um den östlichen Teil der Heidestraße.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wollte sich mit dem Hinweis auf die zuständige Vivico nicht äußern. Die Behörde hatte allerdings schon ein städtebauliches Konzept entwickeln lassen, das stufenweise verwirklicht werden sollte. Am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal sollte vor allem Platz für Wohnungen sein, auf der westlichen Seite der Heidestraße eher für Gewerbe, Hotels, auch Firmensitze und „regierungsnahe“ Einrichtungen. Der neue Hauptbahnhof (einst Lehrter Bahnhof), der 2006 eröffnet wird, soll die Entwicklung des Gebiets vorantreiben. Nach Ansicht der bündnisgrünen Abgeordneten Claudia Hämmerling wäre die Ansiedlung des Bundesnachrichtendienstes (BND) „eine einmalige Chance für eine städtebaulich sinnvolle Entwicklung des Gebietes“ gewesen. Senatsbaudirektor Hans Stimmann hatte ihr Anfang letzten Jahres auf eine Kleine Anfrage bestätigt, dass auch das Gebiet Heidestraße mit 13 Hektar Fläche untersucht worden sei. Die Entscheidung fiel dann aber „in Abstimmung“ mit dem BND für das Gelände des ehemaligen Stadions der Weltjugend an der Chausseestraße. So wird die nördliche Seite des Hauptbahnhofs auf unabsehbare Zeit ein recht braches Provisorium bleiben. Die Containerzüge, die der Heidestraße einst Leben gaben, halten längst in den Güterverteilzentren Großbeeren und Wustermark. C. v. L.

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