Berlin : Für den Fußball ins Gefängnis

Helmut Klopfleisch war Hertha-Fan in der DDR

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Wer noch immer glaubt, dass Sport und Politik nichts miteinander zu tun haben, der sollte diesen Mann treffen. Helmut Klopfleisch, heute 48, ging für den Fußball ins Gefängnis. „Ich bin ein Fußballfan“, sagt der blonde Berliner schlicht, wenn man ihn fragt, warum er Verhöre und Stasi-Knast in Kauf nahm. Heute Abend diskutiert er mit Sportbund-Chef Manfred von Richthofen, dem Ex-Hertha-Spieler Axel Kruse und dem Vorsitzenden des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert, über seine Erlebnisse in der „Sportstadt im Kalten Krieg“.

Schon als Kind, damals, als Hertha noch im Stadion Plumpe in Gesundbrunnen spielte, kam er zu jedem Spiel, zu jedem Training. „Seit 1954 bin ich Hertha-Mitglied“. Nach 1961 konnte der gelernte Elektriker seine Mannschaft nur noch hören, nicht mehr sehen – die Mauer stand im Weg. Als Hertha dann ins Olympiastadion ging, musste er in die verhassten Stadien der DDR-Mannschaften oder in den Ostblock fahren, um sein Team zu sehen. Aus FDJ-Hemden nähte er sich blau-weiße Hertha-Trikots und -Fahnen. 1971, im Alter von 23 Jahren, reiste Klopfleisch das erste Mal zu einem Spiel der West-Nationalmannschaft unter Trainer Helmut Schön, einem Ex-Herthaner. Es war das Länderspiel Bundesrepublik gegen Polen in Warschau. Als Zeichen der Verbundenheit überreichte Klopfleisch Schön einen Berliner Bären aus Stoff – fortan sein Markenzeichen. „Ich hab mich nicht aufgedrängt“, sagt er heute. „Die kannten mich alle“. Künftig begleitet er das DFB-Team auf nahezu alle Termine im Ostblock. „Wo auch immer wir waren – Klopfleisch war da“, erinnert sich sein Freund Pierre Littbarski.

Das wusste auch die Stasi, die nicht davor zurückschreckte, seinen eigenen Sohn anzuwerben – erfolglos.SB

Die Stiftung Aufarbeitung hat für die Veranstaltung „Sportstadt im Kalten Krieg“ in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt (Luisenstraße 18) noch Sitzplätze frei. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr, Eintritt ist frei. Eine telefonische Anmeldung (23 24 72 00) ist erwünscht.

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