Berlin : Für die Ku’damm-Theater könnte es ein Happyend geben

Deutsche Bank zeigt „guten Willen“ und rückt von Abrissforderung ab Heute Spitzengespräch mit dem Regierenden Bürgermeister

Christian van Lessen

Für die Boulevard-Bühnen im Ku’dammKarree ist Rettung in Sicht. Heute sprechen der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Deutsche-Bank Vorstand Tessen von Heydebreck im Roten Rathaus über die Zukunft von Theater und Komödie am Kurfürstendamm. Die Bank als Grundstückseigentümerin hatte am Vortag ihren „guten Willen zu einer einvernehmlichen Lösung“ bekräftigt. Vom Abriss der Bühnen für eine Shopping-Mall war nicht mehr die Rede.

Man könne sich die Erhaltung der Bühnen vorstellen, hieß es aus führenden Kreisen der Bank. Das ändere nichts daran, dass das Ku’damm-Karree attraktiver werden müsse. In dem Gespräch mit Wowereit und dem Theaterintendanten Martin Woelffer wolle man sich über eine Übergangsphase für die Theater während der Bauarbeiten und ihre Zukunft auf längere Sicht unterhalten. Unzutreffend seien Vermutungen von Berliner Maklern, die DB Real Estate, Tochterunternehmen der Bank, wolle das Ku’damm-Karee im nächsten Jahr an eine kanadische oder andere Investorengruppe verkaufen und dabei fertige Umbaupläne präsentieren, die beide Theater am angestammten Ort berücksichtigten. Die DB Real Estate teilte mit, der Abriss – sie sprach von „Umbau“ – sei nicht vom Tisch, sondern Verhandlungsbasis. Sie könne den Gesprächen nicht vorgreifen.

Die Deutsche Bank hat, wie aus dem Unternehmen zu hören war, die öffentliche Reaktion auf die Kündigung der Boulevardbühnen am Kurfürstendamm unterschätzt. In den Bankfilialen werden Mitarbeiter von Kunden immer wieder kritisch auf die Theaterpläne angesprochen. Die fast einhellige Kritik aus Politik und Kultur überraschte, und der spektakuläre Besuch des Regierenden Bürgermeisters vergangene Woche in den Ku’damm-Theatern machte Eindruck. Zuvor hatte Bankchef Josef Ackermann in einem Brief an Wowereit ein Gespräch mit dem Vorstand angeboten und auf die „Bedeutung der traditionsreichen Theater am Kurfürstendamm für die Berliner Kultur“ hingewiesen. Die Pläne der Fondsgesellschaft DB Real Estate, die kürzlich den beiden Boulevardbühnen zum Jahresende 2006 gekündigt hatte, wurden zur Chefsache erklärt.

Intendant Martin Woelffer sagte am Dienstag, er gehe trotz hoffnungsvoller Signale „mit Mut und zitternden Knien“ in die Gespräche. Mehr als 20 000 Protest-Unterschriften liegen inzwischen vor. Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) sagte, ihm lägen keine aktuellen Umbaupläne vor, die beauftragte Projektgesellschaft habe sie ihm gezeigt, aber sofort wieder mitgenommen. Auch das Bezirksamt lehnt den Abriss der Bühnen ab.

Deutsche-Bank-Sprecher Klaus Winker bedauerte, dass der aktuelle Unmut das kulturelle Engagement seines Hauses in den Hintergrund rücke. Die Bank fühle sich der Stadt, in der sie 1870 gegründet wurde, besonders verbunden. Mehr als 10 Millionen von insgesamt 70 Millionen Euro für gesellschaftliches Engagement flössen nach Berlin. Die Bank unterstütze etwa Deutsche Guggenheim Berlin und die Berliner Philharmoniker, fördere die Komische Oper. Auch die im Sommer im Admiralspalast geplante „Dreigroschenoper“ wird von der Bank unterstützt.

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