Berlin : Für drei Tage ist Berlin die Stadt der Städte

Christian van Lessen

UN-Generalsekretär Kofi Annan und die Bürgermeister der Weltmetropolen kommen im Sommer zur Weltkonferenz an die SpreeChristian van Lessen

Berlin ist bald Mittelpunkt der Welt - zumindest für drei Tage das Zentrum der größten Städte: Zur Urban 21, der Weltkonferenz zur Zukunft der Städte, werden mehr als 2000 Fachleute aus allen Kontinenten erwartet, darunter Regierungsvertreter, Mitglieder nicht staatlicher Organisationen, Kommunalpolitiker und vor allem die Bürgermeister der Metropolen. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, und Bundeskanzler Gerhard Schröder werden die Konferenz am 4. Juli im ICC eröffnen.

Die größte Stadt Deutschlands wirkt mit ihren rund 3,4 Millionen Einwohnern gegen andere Metropolen zwar wie ein Zwerg, doch einmalig ist ihr städtisches Zusammenwachsen. Als Konferenzveranstalter will Bundesverkehrs- und Bauminister Reinhard Klimmt Berlin als Ort zahlloser Veränderungen und Umbrüche, als Beispiel für lokale und globale Entwicklungen präsentieren. 50 Exkursionen befassen sich zum Beispiel mit dem Zusammenwachsen ehemals getrennter Stadtteile - etwa Neukölln und Treptow -, mit Erneuerungsstrategien für Großsiedlungen in Marzahn oder im Märkischen Viertel, mit Sanierungsarbeiten am Kottbusser Tor, mit der Erneuerung von Wirtschaftsstandorten in Oberschöneweide und Adlershof oder mit der Stadtentwicklung in der Rummelsburger Bucht.

Der Potsdamer Platz wird als neuer City-Bereich "aus der Retorte" vorgestellt. Ferner geht es um das "Stadtmanagement", bei dem gezeigt wird, wie Berlin die wachsenden Aufgaben in den Bereichen Verkehr, Energie, Müll, Wasserver- und -entsorgung löst. Bei einem Empfang in der Oberbaum-City am Eröffnungstag will man zeigen, wie ein altes Industriegelände aufwendig zu einem Medien- und Designstandort wiederbelebt worden ist - ein lokaler Ausgleich zur globalen Stadtpolitik der Weltmetropolen.

Damit wird sich bereits am Tag zuvor der Bürgermeister-Gipfel beschäftigen und über die Probleme der Mega-Städte sowie Lösungsmöglichkeiten diskutieren. Dabei geht es um den Energie- und Flächenverbrauch, das Bevölkerungswachstum, fehlende soziale und technische Einrichtungen und mangelnde Handlungskompetenzen der Städte, das Wachstum zu beherrschen, vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Städte sollen wirtschaftliche Möglichkeiten ausschöpfen und ihre sozialen und ökologischen Risiken bewältigen können.

Zur Vorbereitung der Konferenz wurde eine Weltkommission einberufen, zu der beispielsweise der Oberbürgermeister der Zehn-Millionen-Metropole Rio de Janeiro, Luiz Paolo Conde, und der Generaldirektor des Büros der Vereinten Nationen in Nairobi, der ehemalige Bundesbauminister und Umzugsbeauftragte Klaus Töpfer, gehören. Diese Weltkommission wird den Entwurf für eine "Erklärung zur Zukunft der Städte" vorlegen. Sie soll mit den wichtigsten Ergebnissen der Konferenz als "Orientierung für die Stadtentwicklung im 21. Jahrhundert" verabschiedet werden. Im Jahr 2025 werden immerhin zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben, darunter in fast 300 Millionenstädten. Tokio zählt heute schon mehr als 27 Millionen Einwohner, gefolgt von Mexiko City, Sao Paulo, New York mit je über 16 Millionen, Bombay und Shanghai mit über 15 und fast 14 Millionen Einwohnern.

Die Expo 2000 bildet den Rahmen für die Berliner Weltkonferenz. Mit dem von Brasilien, Singapur, Südafrika und Deutschland vorbereiteten Treffen soll die internationale Verständigung über die Stadtentwicklung vertieft werden; ein Prozess, der von den Vereinten Nationen mit der Konferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro und der Weltsiedlungskonferenz Habitat II 1996 in Istanbul eingeleitet wurde.

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