Berlin : „Für eine gesunde Neugier stehe ich gerne bereit“

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Herr Waks, wie erklären Sie sich das große Interesse der Berliner an der ersten Langen Nacht der Synagogen?

Grundsätzlich gab es schon vorher ein großes Interesse am Judentum. Aber viele haben Hemmungen, einfach in einen Gottesdienst zu gehen, weil sie nicht wissen, ob sie etwas falsch machen können. Nun wollten wir Transparenz signalisieren und Hemmschwellen abbauen.

Wie empfinden Sie als Jude die Neugier der Nichtjuden?

Wenn es eine gesunde Neugier ist, stehe ich gerne bereit. Tatsächlich gab es in dieser Nacht nicht einmal die kleinsten unangenehmen Zwischenfälle.

Das große politische Thema der letzten Monate, der neue Antisemitismus, war kein Thema in der Langen Nacht. Ist das ein Zeichen der Hoffnung?

Dieser Abend war dazu angelegt, Informationen über unsere Riten zu geben. Deshalb gingen die Fragen auch in diese Richtung. Politik sollte keine Rolle spielen. Bei den Kulturtagen haben wir aber durchaus das Thema Antisemitismus aufgegriffen. In der Diskussion „Der öffentliche Jude“ mit Michel Friedman kreiste alles um diese Debatte. Ich war nie hoffnungslos, was den Antisemitismus in Deutschland angeht. Und ich freue mich über das große, aufrichtige Interesse am Judentum. Solche Zwischenfälle wie die Möllemann-Kampagne und die Ausfälle gegen unseren Gemeindevorsitzenden bei der Rückbenennung der Jüdenstraße in Spandau aber wird es leider weiterhin geben. Da muss man stetig gegenarbeiten. Das war gestern nicht die Aufhebung der Antisemitismusdebatte in Deutschland.

Normalisierung des jüdischen Lebens in Deutschland: Was heißt das für Sie?

Normalisierung hieße, damit umzugehen, dass es jüdische Menschen gibt in diesem Lande, die Gutes oder auch Böses tun, ohne gleich „die Juden“ für das eine oder andere verantwortlich zu machen. Aber diese Normalität sehe ich noch lange nicht.

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