Berlin : Für Grundschüler werden die Hortplätze knapp

Das neue Schulgesetz sieht eine Ganztagsbetreuung ab 2005 vor, deswegen bauen Kitas und Kinderläden bereits jetzt die Angebote ab

Susanne Vieth-Entus

Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt vor einem drohenden Hortplatzmangel im kommenden Schuljahr. Etliche Kindertagesstätten ließen bereits jetzt ihre Hortangebote auslaufen, obwohl die Grundschulen noch keine entsprechende Betreuungskapazität aufgebaut hätten, berichtet Kita-Referent Martin Hoyer. Der Senat müsse endlich klare Vorgaben machen, damit die freien Träger ermutigt würden, auch in diesem Jahr noch neue Hortplätze anzubieten, fordert Hoyer. Einzelne Bezirke sind bereits dabei, nach kurzfristigen Übergangslösungen zu suchen – wie in Tempelhof-Schöneberg.

An sich ist derzeit geplant, dass die geplanten Hortplätze an den Grundschulen erst zum Sommer 2005 eingerichtet werden müssen. Viele Kitas trennen sich aber schon jetzt von den Hortplätzen. Hintergrund ist die forcierte Übergabe von bezirklichen Kitas an freie Träger. Diese wollen aber 2004 nicht mehr mit dem Auslaufmodell „Hort“ beginnen, wenn sie jetzt schon wissen, dass damit 2005 sowieso Schluss sein wird. Deshalb richten sie ihre Räume und Konzepte von vornherein lediglich auf Krippen- und Kitakinder ein.

„Warum sollte ein freier Träger jetzt ein Kita-Kind ablehnen und ein Hortkind aufnehmen, wenn er noch gar nicht weiß, ob er das Hortkind auch über 2005 hinaus behalten kann?“, fragt Hoyer. Er appelliert an den Senat, diese und andere offene Fragen jetzt zu klären und die herrschende „Unruhe“ zu beenden.

Wie wichtig eine baldige Klärung der Übergangssituation ist, zeigt exemplarisch Tempelhof-Schöneberg. Hier erhielten bereits etliche Eltern Kündigungen ihrer Hortplätze, obwohl die zuständigen Grundschulen noch gar nicht in der Lage sind, eine Ganztagsbetreuung zu bieten. Eine Mariendorfer Mutter berichtet, dass sie bereits alle umliegenden Kitas „abgeklappert“ hat – ohne Erfolg. Ihr Sohn besucht die zweite Klasse der Ikarus-Grundschule, die im Sommer aber zunächst nur Erstklässler in den Hort aufnehmen kann, weil die notwendigen Umbauten der Essens- und Aufenthaltsräume in der Schule noch nicht abgeschlossen sind. Ein ähnliches Problem gibt es an der Paul-Simmel-Grundschule an der Felixstraße in Tempelhof. Auch hier werden in der Umgebung alle Kitas bereits zum Sommer gänzlich auf die Betreuung kleiner Kita-Kinder umgestellt, sodass etliche Familien nicht wissen, wie sie ihre Schulkinder während und nach den großen Ferien betreuen lassen können.

Im Bezirksamt hat man inzwischen erkannt, dass der vom Senat betriebene Umbau der Kita- und Hortlandschaft „Doppel- und Dreifachprobleme bereitet“, wie es der Planungsbeauftragte Roger Gapp ausdrückt. Er ist jetzt dabei gegenzusteuern: Die Paul-Simmel-Grundschule soll nun doch schon ab 2004 und nicht erst wie geplant 2005 mit dem Hortbetrieb beginnen. Hier wird jetzt rasch Geld in den Umbau der Essensbereiche investiert.

Auch den Eltern der Ikarus-Grundschule soll geholfen werden. Dort soll es in erster Linie bei der Aufnahme der Erstklässler bleiben, in Einzelfällen könnten aber auch Kinder anderer Klassenstufen aufgenommen werden. Koordinator Gapp verspricht, dass er sich um „individuelle Lösungen“ bemühen werde. Kein Kind dürfe „auf der Straße stehen“.

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