Berlin : Für Landowsky war „alles ordnungsgemäß“

Ex-Politiker sagt vor Gericht zum Bankenskandal aus

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Einsam und geduldig saß der Zeuge vor dem Saal 736 im Berliner Landgericht. Zwei Wachtmeister überlegten kurz, dann kamen sie auf seinen Namen: Es war KlausRüdiger Landowsky, einst Vorstandschef der Bank Berlin Hyp und Ex-Fraktionschef der CDU im Abgeordnetenhaus, der da wartete. Er war gestern als Zeuge geladen in einem Prozess um die Aufarbeitung des Skandals um die Bankgesellschaft Berlin.

Als Zeuge hatte Landowsky nichts zu befürchten. Auf der Anklagebank sitzt wegen Untreue Jochem Zeelen, einst Vorstandsmitglied der Landesbank Berlin (LBB). Es geht um einen so genannten Prominenten-Fonds. Er wurde 1993 aufgelegt und scheiterte im Jahr 2000. Die Rückabwicklung sollen Zeelen und sein einstiger Vorstandskollege Ulf-Wilhelm Decken zum eigenen Vorteil beeinflusst haben. Als der Prozess im Mai begann, haben sie die Vorwürfe bestritten. Inzwischen sitzt Zeelen allein auf der Anklagebank. Decken ist aus gesundheitlichen Gründen derzeit nicht verhandlungsfähig. Sein Verfahren wurde abgetrennt.

Der 62-jährige Landowsky gehörte zu den Zeichnern des Fonds. Er hatte 1993 rund 130 000 Mark angelegt. Es sei eine geprüfte und steuerlich interessante Leistung gewesen, erklärte der Zeuge. Dass es um den Fonds Diskussionen gab, habe er 1997 mitbekommen, sagte Landowsky. Es habe bei der Vermietung der Immobilie Probleme gegeben. Aus seiner Sicht sei die Betreuung des Fonds durch Gehag und LBB stets „seriös und juristisch einwandfrei gewesen“, sagte Landowsky. „Für mich war klar, dass da alles ordnungsgemäß läuft“, sagte Landowsky, der wie alle Zeichner 75 Prozent seines ursprünglichen Anteils erstattet bekam. Als Zeuge hat Landowsky bereits eine gewisse Routine entwickelt: Viermal war der frühere Berlin-Hyp-Chef ins Abgeordnetenhaus geladen worden, um im Untersuchungsausschuss zur Bankenaffäre auszusagen. Persönliche Schuld an der Bankenmisere wies er auch hier von sich. Die schlechte Entwicklung der Bankgesellschaft sah er als Folge des „Niedergangs der Immobilienmärkte“. Auch vor Gericht hat Landowsky diese Auffassung vertreten – und Recht bekommen. Im September 2003 hatte das Landgericht einer Klage der zur Bankgesellschaft gehörenden Berlin-Hyp auf Schadensersatz zurückgewiesen. Das Geldhaus hatte unter anderen Landowsky vorgeworfen, im Zusammenhang mit der Vergabe von Krediten an die Firma Aubis seine Pflichten verletzt zu haben. Die umstrittenen Kredite und eine zeitnahe Barspende von zwei Aubis-Managern an die CDU hatten den größten Finanzskandal der Berliner Nachkriegsgeschichte ausgelöst.

Auf Landowskys nächsten Gerichtsauftritt wird man voraussichtlich nicht lange warten müssen. Dann aber wird der CDU-Politiker nicht als Zeuge, sondern als Angeklagter ins Gericht geladen. Im Dezember hatte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen 14 frühere Spitzenmanager der Bank Berlin Hyp erhoben. Er sehe einem Prozess „guter Dinge“ entgegen, sagt Landowsky. „Die Kreditvergabe war rechtlich nicht zu beanstanden.“ K.G./kf

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