Berlin : Für Leute mit gesundem Halbwissen

Kongress für Menschen, die noch Fragen haben

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Kaum einer weiß heute noch en detail über die Zubereitung einer klumpenfreien Mehlschwitze Bescheid oder kann Schillers „Lied von der Glocke“ auswendig hersagen. Der moderne Mensch ist ein Halbwisser; zu allen Themen hat er einige Schlagworte parat, den Rest besorgt die www-Suchmaschine.

Dass eine Ballung von Halbwissern fast genauso viel wie das Internet kann, zeigt der „Kongress des Halbwissens“, der heute um 20 Uhr im Studio des Maxim Gorki Theaters stattfindet. Das Konzept: Vier Personen diskutieren vor Publikum eine Frage, die sie erst zu Beginn ihres Gesprächs erfahren. Dabei müssen sie innerhalb von zwanzig Minuten ihr Halbwissen zusammenwerfen, um zu einer Antwort zu gelangen. Häufig funktioniert’s: Bei einem der letzten Kongresse hieß die Frage, wie ein Atomkraftwerk funktioniere. Einer murmelte etwas von Stromerzeugung, ein anderer hatte rudimentäre Meiler-Kenntnisse. Ein dritter konnte sich noch an die Grundprinzipien von Kernspaltung erinnern. Und schon stand das grobe Schema eines Atomkraftwerks - ganz ohne einen Fachmann.

„Gemeinsam sind Halbwisser eben stark“, sagt Matthias Einhoff, einer der Kongress-Veranstalter. Alleine kämen sie nicht so gut durchs Leben. Vielleicht hat sich der ehemalige UdK-Student auch deshalb mit seinen Kommilitoninnen Rebecca Riedel und Mike Ulfig zur Künstlergruppe „superschool“ zusammengeschlossen. Ihr Kongress findet nun schon seit vier Jahren an wechselnden Orten statt. Heute Abend wird es drei Gesprächsrunden geben, alle zum Thema Europa. So genau weiß man das allerdings nie: „Wie unterscheiden sich die rechte und linke Gehirnhälfte?“, lautete die Frage einmal. Am Ende diskutierten die Halbwisser mit Verve darüber, ob es sich wohl auf das Gehirn von Japanern auswirke, dass sie auf der linken Straßenseite fahren. rik

Kongress des Halbwissens heute Abend um 20 Uhr im Gorki Studio Berlin, Am Festungsgraben 2 in Mitte, Karten für 16 Euro, Reservierungen unter 20 22 11 15.

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