Berlin : Für neue Jobs lernen, was Firmen brauchen

Senat und Arbeitsagentur gehen neue Wege: Erwerbslose werden für die speziellen Bedürfnisse von Unternehmen fortgebildet

Sigrid Kneist

Berlin will bei der Wirtschaftsförderung neue Wege gehen und Unternehmen einen neuen Service bei der Suche nach Fachpersonal bieten. Das so genannte Business Recruiting Package wird sie gratis bei der Auswahl von Arbeitskräften unterstützen. Wenn nötig, sollen die Bewerber nach den Erfordernissen des Unternehmens qualifiziert werden. Das Projekt ist in Zusammenarbeit der Senatswirtschaftsverwaltung, der Wirtschaftsförderung Berlin, der Regionaldirektion für Arbeit und der Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung entstanden. Das Personal wird vor allem unter den derzeit 331 000 Berliner Arbeitslosen gesucht; für die Einstellung können auch die Förderprogramme des Landes oder der Arbeitsagenturen in Anspruch genommen werden. Zur Qualifizierung eines Mitarbeiters kann es einen Zuschuss bis zu 10 000 Euro geben. Die Mittel kommen unter anderem von der Arbeitsagentur und dem Europäischen Sozialfonds.

„Das ist ein bundesweit einmaliger Service“, sagte gestern Wirtschaftssenator Harald Wolf. Der Vorteil für die Unternehmen sei, dass sie die Leistungen alle zentral erhalten. Das Angebot gilt für Neuansiedlungen wie für in Berlin ansässige Unternehmen, die sich vergrößern. Voraussetzung ist allerdings, dass mindestens fünf neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Manche Leistungen habe es schon vorher gegeben, sagte Christina Hufeland von der Wirtschaftsförderung. Man habe die Erfahrung gemacht, dass es für die Unternehmen von Vorteil ist, diese aus einer Hand zu erhalten. Deswegen habe man die Arbeit der verschiedenen Institutionen jetzt zusammengefasst.

Als erstes Unternehmen profitierte der Lebensmittelkonzern Kraft Foods von dem Projekt. Für die Ausweitung der hiesigen Kaffeerösterei in Neukölln wurden bis jetzt 30 neue Arbeitskräfte eingestellt. „Wir brauchten unter anderem Energieanlagen-Elektroniker und Maschinenführer“, sagte Sprecherin Sabine Peters-Halfbrodt. Die Unterstützung sei „sehr hilfreich“ gewesen. Es wurde bei der Stellenausschreibung und der Vorauswahl der Bewerber geholfen. Bis zum Jahresende sollen weitere 70 Stellen folgen. Als nächsten großen Arbeitgeber will die Wirtschaftsförderung die BASF für das Projekt gewinnen. Der Konzern hatte Anfang des Monats angekündigt, bis Ende 2007 ein Dienstleistungszentrum mit bis zu 600 Arbeitsplätzen aufzubauen. „Wir halten das Angebot für interessant“, sagte BASFSprecherin Elisabeth Schick. Man wolle das Projekt prüfen und in gemeinsamen Gesprächen die Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausloten.

Die Industrie- und Handelskammer und die Vereinigung der Unternehmensverbände begrüßten den Service. Er trage dazu bei, den Standort attraktiv zu machen und die Vermarktung zu verbessern.

Mehr über das Projekt im Internet:

www.wfbi.de/brp

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