Berlin : Für neue S-Bahnen wird die Zeit knapp

Ohne Kauf müssten alte Züge umgerüstet werden

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Obwohl die S-Bahn im vergangenen Jahr einen Verlust in Höhe von 222,2 Millionen Euro eingefahren hat, will das Unternehmen knapp eine Million Euro aufbringen, um den Kauf neuer Fahrzeuge vorzubereiten. Dies kündigte S-Bahnchef Peter Buchner am Montag an. Hier werde die Zeit jetzt knapp. Kommen die neuen Fahrzeuge nicht rechtzeitig, müssten die alten Typen aufwendig nachgerüstet werden, was sehr teuer würde, sagte Buchner. Nach Plan sollen die Altbaufahrzeuge der Baureihen 480 und 485 nicht mehr auf das kommende Signalsystem und die neue Funktechnik umgestellt werden. Dies wäre aber erforderlich, wenn es 2017 keine neuen Züge gebe. Geplant ist ein Kauf von zunächst knapp 400 Wagen.

Parallel zur S-Bahn bereitet auch der Senat den Kauf neuer Züge vor; per Ausschreibung hat er dafür einen Berater gesucht. Aber erst nach den Wahlen im September soll die künftige Landesregierung entscheiden, wer die S-Bahn in Zukunft betreibt – und wer dann für den Kauf neuer Bahnen zuständig sein wird. Die Ausschreibung neuer Bahnen müsse aber noch in diesem Jahr beginnen, damit diese rechtzeitig geliefert werden könnten, sagte Buchner.

Von ihren 650 jetzt vorhandenen Doppelwagen konnte die S-Bahn am Montag nur 436 einsetzen. Ende des Jahres sollen es 500 sein. Für den Betrieb vor Beginn der Dauerkrise im Sommer 2009 waren 546 Doppelwagen erforderlich. 2012, wenn weitere Fahrzeuge für den Verkehr zum neuen Flughafen in Schönefeld gebraucht werden, sollen nach Buchners Plan 600 Doppelwagen unterwegs sein.

Ende des Jahres sollen alle 4000 bruchgefährdeten Achsen und Räder der Züge der modernsten Baureihe 481 ausgetauscht sein. Das Umtauschprogramm der winterfest gemachten Antriebe laufe weiter, und der Einbau von Heizsystemen für die Rohre des Bremssandes,, die im vergangenen Winter häufig eingefroren waren“, beginne demnächst, kündigte Buchner an. Auch alle 80 Doppelwagen der Baureihe 485 aus DDR-Zeiten sollen bis zum Jahresende wieder fahren. Das Reaktivieren von 20 zum Teil seit mehreren Jahren abgestellten Zügen sei aufwendiger als angenommen. Trotzdem ist Buchner zuversichtlich, den Kostenrahmen in Höhe von 16 Millionen Euro einhalten zu können. Aber auch Mehrkosten würde man akzeptieren, denn am Geld werde die Rückkehr zum Normalbetrieb nicht scheitern, habe der Konzern zugesichert.

Bei den Zügen der einst für die BVG entwickelten Baureihe 480 warte man zum Teil noch auf neue Achsen, sagte der S-Bahnchef weiter. Ein anderes Problem bei diesen Zügen sei inzwischen gelöst. Durch Wartungsfehler seien die Frontscheiben beim Austausch nicht ordnungsgemäß verklebt worden. Hier musste jetzt zeitaufwendig nachgebessert werden.

Wie lange die 500 störanfälligen Doppelwagen der erst in den 90er Jahren angeschafften Baureihe 481 noch im Einsatz bleiben, konnte Buchner nicht sagen. Fest stehe aber, dass es keine großen Umbauten mehr geben werde. Geprüft worden war unter anderem der Einbau einer Klimaanlage. Klaus Kurpjuweit

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