Berlin : Für Schwimmer und ewig

Tagesspiegel-Redakteur Matthias Oloew hat ein Buch über das Strandbad Wannsee geschrieben. Zum 100. Jubiläum der Badeanstalt hat er es nun vorgestellt

Nana Heymann

Der schicke Bikini mit dem Blumenmuster ließ für damalige Verhältnisse viel Haut blicken, die weißen Schuhe, die sie dazu trug, waren halsbrecherisch hoch. Trotzdem schwebte Christiane Maybach elegant und sicher über den langen Holzsteg des Strandbads Wannsee. Damals, im Sommer 1949 bei der Wahl zur „Miss Wannsee“, trat die junge Frau noch unter ihrem bürgerlichen Namen Ursula Müller an. Dass sie den Wettbewerb nicht für sich entscheiden konnte, verkraftete sie offenbar ganz gut: Nur wenig später startete Christiane Maybach zu einer internationalen Filmkarriere.

Mit Anekdoten wie dieser erzählt Autor Matthias Oloew die wechselvolle Geschichte der Badeanstalt am südwestlichen Stadtrand Berlins. „100 Jahre Strandbad Wannsee“ heißt das Buch des Tagesspiegel-Redakteurs, das er gestern anlässlich des großen Jubiläums auf dem neu sanierten Gelände vorstellte. Am 8. Mai 1907 eröffneten Mitarbeiter der Forstverwaltung offiziell den Betrieb und wiesen den Strand mit einem Schild als erste „Öffentliche Badestelle“ Preußens aus. Zur Eröffnung war das Wetter ähnlich wechselhaft wie ein ganzes Jahrhundert später.

Gut sechs Monate hat Matthias Oloew für sein Werk recherchiert, Archive und Museen durchforstet. Er sprach mit Zeitzeugen, traf Stammgäste wie Vera Erichsen, die seit mehr als 80 Jahren den Sommer am Wannsee verbringt, unterhielt sich mit ehemaligen Mitarbeitern. Und natürlich ist auch ein Kapitel der Sängerin Conny Froboess gewidmet, die das Strandbad mit ihrem Hit „Pack’ die Badehose ein“ deutschlandweit berühmt machte. So ist es Oloew gelungen, die Geschichte dieser Berliner Institution spannend zu erzählen und mit vielen historischen Fotos zu veranschaulichen.

Mit öffentlichen Bädern kennt sich der 38-Jährige gut aus: Bereits im vergangenen Jahr veröffentlichte er das Buch „Prinzenbad. 50 Jahre Eintauchen in Kreuzberg“. Deshalb fragten die Bäderbetriebe an, ob er auch ein Buch zum Wannseebad schreiben würde. Während seiner Recherchen hatte Oloew Zugang zu Aktenordnern im Archiv des Strandbads, die viele Jahre unangetastet gewesen waren. Baupläne, Korrespondenzen mit Vertretern der Verwaltung, alte Verordnungen – der Autor, der selbst jeden Morgen schwimmen geht, sichtete Berge von Dokumenten. „Mir war schnell klar, dass die Arbeit ziemlich umfangreich war“, sagt Oloew. Nur eine Sache bedauert er sehr: Dass er nicht mehr mit Christiane Maybach sprechen konnte. Die Schauspielerin starb im vergangenen Jahr.

Matthias Oloew: „100 Jahre Strandbad Wannsee“, erschienen im Nicolai-Verlag, 142 Seiten, 19,90 Euro

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