• Für Universal Music war der Umzug nach Berlin eine Verjüngungskur Der Konzern kann seiner Konkurrenz von Warner den Ortswechsel nur empfehlen

Berlin : Für Universal Music war der Umzug nach Berlin eine Verjüngungskur Der Konzern kann seiner Konkurrenz von Warner den Ortswechsel nur empfehlen

Till Schröder

Der Musikkonzern Warner Music denkt über einen Umzug von Hamburg nach Berlin nach. Die Entscheidung steht noch aus. Universal hat den Ortswechsel schon vor einem guten Jahr hinter sich gebracht – und alles andere als bereut.

Bei einem Spaziergang durch die sonnigen Universal-Büroräume in dem ehemaligen Kühlhaus an der Oberbaumbrücke verfliegt jeder Zweifel an die große Zukunft Berlins. Die Mitarbeiter schwärmen von der „Aufbruchstimmung“ in der Stadt. „Wir sind glücklich und zufrieden“, sagt ihr Chef Tim Renner. Der Umzug habe sich gelohnt. „Die neue, ungewohnte Umgebung hat die Haltung der Mitarbeiter positiv beeinflusst“, sagt Renner. „Sie sind mutiger, weil das Berliner Umfeld progressiver ist. Das ermutigt sie dazu, Musik bekannt zu machen, an deren Erfolg sie in einem konservativen Umfeld wie in Hamburg nicht geglaubt hätten.“

Die Vorzüge des „progressiven Umfelds“ locken offenbar auch den zweiten Hamburger Branchenriesen, Warner Music, an die Spree. Für die Universal-Mitarbeiter liegen die Vorzüge Berlins so auf der Hand, dass sie von Warners Kommen fest ausgehen. „Hamburg ist ein bisschen angestaubt“, sagt Daniel Pieper von Polydor National. „Der Umzug nach Berlin bietet die Möglichkeit, jüngere Künstler zu finden.“ Das gilt auch für das Unternehmenspersonal. Rund 40 Prozent der Mitarbeiter habe dem Ortswechsel damals skeptisch gegenüber gestanden, hieß es damals bei Universal. „Die sind heute fast alle weg“, sagt Pieper. Manche sind durch Familie und Eigenheim so fest an Hamburg gebunden, dass sie den Wechsel nach Berlin nicht mitmachen wollten. Die Fluktuation in der Musikbranche ist hoch. In Berlin gebe es genug junge, kreative Leute, die die freiwerdenden Stellen besetzen.

Die angeschlagene Musikbranche profitiert von den günstigen Lebenshaltungskosten. Den Ex-Hamburgern wird klar, dass sie sich rechtzeitig auf sicheres Terrain gerettet haben. Ihre Wohnungen sind hier für das gleiche Geld größer und schöner. „In Berlin bleiben die Leute locker“, sagt Christian Kellersmann von Universal Jazz & Classics. Auf seinem T-Shirt steht „Verschwende deine Jugend“, er ist 43 Jahre alt. „In Hamburg drehen manche Leute wegen der Krise in der Branche fast durch.“

Bei Universal würde man sich über den Zuzug von Warner freuen. Berlin entwickelt sich immer mehr zu einer Musikmetropole mit Sogwirkung. Gemeinsam könnte man für Nischen wie Klassik und Jazz mehr Aufmerksamkeit in den Medien herstellen, erhofft sich Kellersmann. Gerüchte kursieren, dass sich auch andere Branchengrößen mit Umzugsplänen tragen. „Was Berlin fehlt, seien Produzenten und gut ausgerüstete Aufnahmestudios“, sagt Pieper. „Wenn die etablierten Produzenten nicht auch herkommen, werden sie von einer Berliner Nachwuchsgeneration verdrängt.“ Von einem Privileg muss sich Universal allerdings verabschieden: „Generell gesprochen bin ich gerne der Platzhirsch“, sagt Renner.

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