Berlin : Fürs Leben gelernt (Glosse)

Hans Toeppen

Maik Schulze versteht die Welt nicht mehr. Maik Schulze hält von der Schule nicht viel. Deshalb schwänzt er gerne. Aber immer hat Mutter Schulze gesagt, Du sollst nicht schwänzen, und sein Lehrer Ulrich Meyer hat gesagt, Du schadest Dir selbst, wenn Du nicht zur Schule kommst und: Du musst Deine Pflichten ernst nehmen.

Wie soll Maik Schulze nun verstehen, dass Ulrich Meyer ihm zum Schwänzen rät, damit Meyer Zeit für seine eigenen Interessen hat, und wie soll er verstehen, dass Mutter Schulze ihm eine Erkältung attestiert, obwohl er gar keine hat. Wird Maik Schulze überhaupt je wieder verstehen, dass er auch für seine eigenen Interessen nicht lügen und auch seine Krankenkasse nicht betrügen soll?

Ja, an der Schule lernen wir doch fürs Leben. Alle lügen, alle betrügen, warum nicht auch die Lehrer und die Elternvertreter, und was ist schon eine kleine Notlüge, wenn es um eine große Sache geht.

Glauben die Lehrer das wirklich? Werden irgendwann einmal alle Lehrer begreifen, dass die Schüler nicht geeignet und überhaupt nicht dazu da sind, den Interessen von Lehrern zu dienen? Und dass es pädagogisch ein Irrsinn und eine Sünde an Maik Schulze ist, wenn ausgerechnet Pädagogen und Elternvertreter den Kindern ein Vorbild im Lügen sind? Denn eine Sünde an Maik Schulze ist schlimmer als jede Sünde, die der Schulsenator Klaus Böger an den Lehrern begehen könnte.

Wobei die Frage offen ist, ob die eine Stunde Mehrarbeit wirklich eine Sünde ist. Offen ist auch die Frage, warum so viele Lehrer einerseits Beamte sein wollen und andererseits streiken.

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