• Fugmann-Heesing erinnert an die Pläne, das Jüdische Krankenhaus mit dem Krankenhaus Moabit zusammenzulegen - und erntet Widerspruch

Berlin : Fugmann-Heesing erinnert an die Pläne, das Jüdische Krankenhaus mit dem Krankenhaus Moabit zusammenzulegen - und erntet Widerspruch

Alexander Pajevic

Unerwartet politisch gestaltete sich am Sonntagabend die Benefizgala zum Wiederaufbau der Synagoge im Jüdischen Krankenhaus, zu der der Förderverein des Krankenhauses in das Schiller-Theater eingeladen hatte. Die Bürgermeisterin und Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing hatte mit ihrem Grußwort eine Diskussion über die Krankenhauspolitik des Berliner Senats ausgelöst.

Sie sprach in Vertretung des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen, der die Schirmherrschaft über die Veranstaltung übernommen hatte, selbst jedoch nicht erschienen war. Fugmann-Heesing würdigte zunächst die Tradition und die Verdienste des Krankenhauses, das in den sechziger Jahren aus der Trägerschaft der Jüdischen Gemeinde in eine Stiftung bürgerlichen Rechts der Stadt Berlin übergegangen war. Es wäre jedoch "unredlich", sagte sie, wenn sie als Vertreterin des Senats nicht noch einmal an den Vorschlag erinnern würde, die Klinik mit dem Krankenhaus Moabit zusammenzulegen.

"Ich weiß, wie schwierig das wäre," sagte die Senatorin. Jedoch sei der Modernisierungsbedarf des Jüdischen Krankenhauses, das in seiner 250 Jahre alten Geschichte schon mehrere Standorte in Berlin erlebt habe, sehr groß und Geld dafür nicht vorhanden.

Der anschließend sprechende Bezirksbürgermeister von Wedding, Hans Nisblé, erhielt spontanen Beifall, als er einleitend davon sprach, stolz darauf zu sein, dass das Krankenhaus seinen Platz in Wedding gefunden habe. Nisblé nannte das Haus, in dem viele Juden in Jahren der Herrschaft der Nationalsozialisten Zuflucht gefunden hatten und das nach dem Kriegsende eine Anlaufstelle für Heimkehrer war, eine "Keimzelle für den Neubeginn jüdischen Lebens in der Stadt".

Ein Krankenhaus bestehe nicht nur aus Stein, sondern auch aus Geschichte, die man nicht einfach wegwischen könne, sagte Nisblé. Der Senat sei "im Wort", erklärte er, dass es ohne Zustimmung der Jüdischen Gemeinde und des Hauses selbst keine Verlegung geben werde.

Auch Uri Schachtel, Ärztlicher Leiter des Jüdischen Krankenhauses, ging nach seinen Dankesworten an den Förderverein auf Fugmann-Heesings Worte ein. Man habe den Vorschlag des Senats durchaus geprüft, sagte er, jedoch habe man dabei nichts finden könne, was Sinn ergebe. Das Krankenhaus arbeite wirtschaftlich, und auch der Modernisierungsbedarf sei schon seit langem bekannt und nur durch die notwendigen Investitionen im Ostteil der Stadt zurückgestellt worden.

Dagegen ging der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Andreas Nachama, nur beiläufig auf die Standortfrage ein: Man werde sich mit den Senatsvertretern - wer immer das nach dem 10. Oktober sein werde - zusammensetzen und man werde sich sicherlich auch streiten. Mit deutlicher Betroffenheit reagierte Nachama auf das Abschneiden der DVU in Brandenburg. Mit diesem Ergebnis habe sich das Kleinreden der rechtsextremen Gefahr in Brandenburg gerächt. Jetzt seien keine Entschuldigungen oder Erklärungen, sondern Initiativen gefordert, sagte Nachama. Dies sei die Aufgabe der Stunde.

Das Programm der Benefizgala bestritten der Berliner Pianist Vladimir Stoupel mit einer Suite des Komponisten Erwin Schulhoff, sowie die als "First-Lady des israelischen Songs" angekündigte Chava Alberstein. Die Veranstaltung, zu der zahlreiche Vertreter der Bundes- und Landesregierung sowie aus Wirtschaft und Kultur erschienen, brachte einen Erlös von mehr als 100 000 Mark, die Schachtel von der Vorsitzenden des Fördervereins, Genja Katz, überreicht wurden. Katz äußerte sich über dieses Ergebnis sehr zufrieden.

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