Fundraising-Skandal : Wie es zum Millionenverlust des FU-Spendenvereins kam

Über eine Million Euro hat die FU in den vergangenen Jahren mit ihrem Spendenverein in New York verloren. Die Uni-Leitung diskutierte sogar über einen „Scheintransfer“, um fehlende Belege für die Steuererklärung in den USA zu bekommen.

von

Über eine Million Euro hat die FU in den vergangenen Jahren mit ihrem Spendenverein in New York verloren, darunter wie berichtet auch Stiftungsmittel für die Sanierung des Henry-Ford-Baus. Hat der damalige FU-Präsident Dieter Lenzen zu lange zugesehen, wie das Finanzloch wuchs? Dem widerspricht Ursula Lehmkuhl, die die Uni kommissarisch leitet, vehement: Im Gegenteil habe Lenzen selbst im Sommer 2007 „die mangelhaften Erfolge“ des Fundraising-Vereins „Friends of Freie Universität Berlin (FFUB)“ in New York angesprochen.

Zu einer „informierten Entscheidung“ hätten dem Präsidium damals jedoch Belege über die Geldflüsse gefehlt. Schließlich sei Lehmkuhl im Auftrag Lenzens im Sommer 2009 nach New York gereist, um Einsicht in die Akten zu nehmen. Ihr Fazit: Die Fachabteilung und der für den Haushalt zuständige Kanzler, Peter Lange, haben „versagt“. Weder Lenzen noch Lange noch der designierte FU-Präsident Alt waren für den Tagesspiegel über Pfingsten zu erreichen.

Uni-Angehörige werfen Lehmkuhl unterdessen vor, sie habe ihren Bericht über die Vorgänge im Januar nur uniintern veröffentlicht, um die an der Uni unpopuläre Abwicklung der FU-Abteilung für Außenangelegenheiten durchzusetzen und statt ihrer das neue „Center for International Cooperation“ zu stärken. Dort arbeite im Zuge des Elitewettbewerbs eingestelltes Personal, dem Lenzen und Lehmkuhl mehr vertraut hätten.

Die „Friends“ waren im Dezember 2002 gegründet worden. Anders als am Sonntag irrtümlich berichtet, ist der Verein nicht identisch mit dem Verbindungsbüro, das die FU wie viele andere deutsche Unis in New York betreibt und nach dessen Vorbild sie auch Anlaufstellen in Neu Delhi, Moskau, Kairo und Peking eingerichtet hat. Der Verein sollte hingegen Spenden für die FU sammeln, auch bei Galaveranstaltungen mit Stars wie den Künstlern Christo und Jeanne-Claude.

Nach einer Anschubfinanzierung für Miete und Personal sowie die Geschäftsführerin und eine Mitarbeiterin im Jahr 2003 sollte der Verein sich eigentlich selbst durch eingeworbene Spenden finanzieren. Doch bald hing der Verein am Tropf der FU. Jährlich flossen im Schnitt 200 000 Euro. „Das hat sich verselbständigt“, sagt Lehmkuhl. Der inzwischen geschasste Abteilungsleiter habe dem Präsidium Zahlen vorenthalten. So habe das Präsidium dem neuartigen Projekt eine Anlaufzeit eingeräumt: „Fünf Jahre gibt man sich für so was“, sagte Lehmkuhl dem Tagesspiegel. An der Uni gibt es auch Spekulationen, wonach die Uni-Leitung sich nicht während der Bewerbung im Exzellenzwettbewerb vom dem prestigeträchtigen Verein habe trennen wollen.

Wie der Landesrechnungshof das sieht, wird er noch erklären. Schon vor einigen Wochen bekam er einen Tipp aus der Uni und hat inzwischen den von der FU angeforderten Bericht bekommen. Auch die Senatsverwaltung für Wissenschaft ist seit einigen Wochen informiert.

Besonders heikel sind die Vorgänge um eine Großspende der Max-Kade-Stiftung zur Sanierung des Henry- Ford-Baus. Die Mittel – insgesamt 600 000 Dollar – wurden von den „Friends“ stattdessen für laufende Kosten ausgegeben. Die FU finanzierte die Sanierung aus Bordmitteln.

So fehlten den „Friends“ auch die Belege für die Steuererklärung in den USA. Die FU diskutierte im Sommer 2009 deshalb einen „Scheintransfer“: Erwogen wurde, die Summe an die „Friends“ zu transferieren, die diese dann offiziell an die FU überwiesen hätten, um einen ordnungsgemäßen „Papierpfad“ zu simulieren. Rechtsanwälte hätten der FU aber erklärt, sie werde sich so „zu einem ,Komplizen‘ bei einem potenziellen Steuerbetrug machen“, wie Lehmkuhl in ihrem Bericht formuliert.

Über die „Friends“ steckt die FU in Verhandlungen, mit denen teure Anwälte befasst sind: Es geht darum, wer auf den hohen Kosten der Abwicklung sitzen bleiben wird – der Verein oder die FU.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben